Pay-TV-Sender
Premiere will jetzt Handballspiele zeigen

Bisher werde die Rechte an Handballspiele von der Sport A gehalten, der Sportrechteagentur von ARD und ZDF, dazu überträgt das Deutsche Sportfernsehen (DSF) rund 30 Spiele pro Saison live. Nun deutet vieles daraufhin, dass die Rechte an den Münchner Pay-TV-Sender Premiere gehen.

KÖLN. Als die Deutsche Handball-Liga (HBL) die Vereinigung der 54 deutschen Profiklubs im Winter die TV-Rechte für den nächsten Drei-Jahres-Turnus ausschrieb, deutete alles auf eine Verlängerung der bestehenden Verträge hin. Derzeit werden die Rechte von der Sport A gehalten, der Sportrechteagentur von ARD und ZDF, dazu überträgt das Deutsche Sportfernsehen (DSF) rund 30 Spiele pro Saison live. Doch nun hat sich die Lage nach Informationen des Handelsblatts verschoben. Jetzt deutet einiges darauf hin, dass der Münchner Pay-TV-Sender Premiere die Rechte bekommt. Das DSF könnte als Zweitrechteverwerter weiterhin Live-Spiele im Free-TV übertragen.

Die HBL ist nicht einverstanden mit dem Angebot der Sport A. Während die Agentur bisher 420 000 Euro pro Jahr an die Liga überwies, beläuft sich das neue Angebot nach Insider-Angaben nur noch auf 350 000 Euro – damit hätte die HBL ihr erklärtes Ziel, mit den TV-Rechten insgesamt rund zwei Mill. Euro zu erlösen, weit verfehlt. Diese Summe hatte HBL-Vorsitzender Bernd-Uwe Hildebrandt dem Handelsblatt genannt.

Das von Premiere unterbreitete Angebot ist hingegen, wie es in Branchenkreisen heißt, „inhaltlich und preislich weitaus aggressiver“ und soll weit über einer Mill. Euro liegen. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, der die Verhandlungen führt, will das weder bestätigen noch dementieren. Doch Bohmanns grundsätzlichen Anmerkungen unterstreichen, dass die Liga derzeit das Premiere-Paket favorisiert. „Es sind Optionen dabei, bei denen jedes Spiel produziert wird, das eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten bei der Zweit- und Drittrechtevermarktung“, sagt Bohmann. Damit „hätte man einen Grundstock“, endlich auch Themen wie das ersehnte Handball-TV-Magazin anzugehen und – ähnlich wie es die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) praktiziert – Handballbilder über Nachrichtensender wie N24 oder N-TV flimmern zu lassen. Auch die anstehenden Verhandlungen mit TV-Sendern im Ausland, die über die schwedischen, kroatischen oder französischen Weltstars in der Bundesliga berichten wollen, würde dies extrem erleichtern.

Einflussreiche Funktionäre in der TV-Kommission der HBL, die sich früher der Sport A verbunden fühlten, haben ebenfalls ihre Meinung geändert. „Ich bin mit dem Herzen beim Öffentlich-Rechtlichen, aber diesmal ist das Ergebnis offen“, sagt Hans-Peter Krämer, Vorstandschef des Rekordmeisters VfL Gummers-bach. „Ich habe Pay-TV früher kate-gorisch abgelehnt, aber im Moment tut sich ja viel auf diesem Gebiet“, sagt Uwe Schwenker, Manager des Branchenführers THW Kiel. Boh-mann sagt: „Pay-TV hatte ein Schmuddelimage, das hat es heute nicht mehr.“ Die derzeit diskutierte Möglichkeit des „Lower-Pay-TV“, nach der sich ein Handballfan für ein oder zwei Euro ein Live-Spiel kau-fen könne, werde „irgendwann zum Alltag gehören“, dessen ist sich der HBL-Funktionär sicher.

Eine Entscheidung steht frühestens im Juni an. „Es wäre schön, wenn wir bis zum Ende des Ge-schäftsjahres am 30. Juni einen Ab-schluss hätten“, sagt Bohmann. Sport A-Verhandlungsführerin Maike Bremer will ebenfalls „deutlich vor Saisonstart im September abschlie-ßen“. Schwenker geht es allein um gute Konditionen für den deutschen Handball: „Ich kann auch bis Sep-tember warten, wir müssen nicht schnell abschließen.“

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