Pferdesport
Mit einer Spezialweste durch die EM

Im Juni hatte sich Meredith Michaels-Beerbaum das Schlüsselbein gebrochen. An eine EM-Teilnahme in Aachen war nicht zu denken. Doch mit Willenskraft und einer Spezialweste beißt sich Michaels-Beerbaum in den Wettkampf.
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AachenJetzt zeigt sie wieder ihr schönstes Lachen. Anfang Juni war daran nicht zu denken. Der Traum von der Europameisterschaft in Aachen schien für Meredith Michaels-Beerbaum beendet. Die 45 Jahre alte Springreiterin brach sich bei einem Trainingsunfall im heimischen Thedinghausen das rechte Schlüsselbein, noch am gleichen Abend wurde sie operiert.

Dass die gebürtige US-Amerikanerin trotzdem zum deutschen Team in Aachen gehört, hat sie ihrer Zähigkeit zu verdanken und einer Erfindung von Manfred Giensch. Der Mediziner, der die deutschen Reiter betreut, hat eine spezielle Weste erfunden. Mit seiner Konstruktion aus Neopren können Reiter früher als sonst üblich nach Verletzungen wieder in den Sattel steigen.

Bei Michaels-Beerbaum ging es besonders schnell. „Sie ist eine sehr motivierte Frau“, sagte der Chirurg, dessen vor rund neun Jahren entwickelte Spezialweste auch schon anderen Reitern geholfen hat. Giensch gibt aber zu: „Ein Restrisiko gibt es immer.“ Anfangs ist die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, das ist schließlich Sinn der Konstruktion, um die operierte Schulter zu schonen.

„Ich hatte nicht gedacht, dass ich so schnell wieder in den Sattel komme“, sagte die Reiterin. Knapp drei Wochen nach dem Sturz begann sie schon wieder zu trainieren, ritt zunächst auf einem kleinen nationalen Turnier und schaffte bei den Nationenpreisen in Mannheim und Hickstead doch noch die Qualifikation für das EM-Quartett.

„Die Weste hat geholfen, Sicherheit zu bekommen, damit man keine falsche Bewegung macht“, erklärte die Einzel-Europameisterin von 2007. Inzwischen reitet Michaels-Beerbaum ohne die Spezialanfertigung von Giensch.

Der Sturz und die Operation sind fast vergessen. „Ich merke es nur noch beim Schlafen“, erklärte die Reiterin: „Tagsüber spüre ich nichts, da vergesse ich das. Auch die Narbe verheilt gut. Ich fühle mich wieder wohl.“

Wie knapp es war, sieht man ihrem Auftritt nicht an. Souverän steuerte die zierliche Reiterin den mächtigen Fibonacci im Zeitspringen über den Kurs von Aachen. „Er hat unheimliches Sprungvermögen“, lobte Michaels-Beerbaum den großen Schimmel aus schwedischer Zucht.

Kein Vergleich zu dem schmaleren und schnelleren Shutterfly, dem die dreimalige Weltcupsiegerin ihre größten Erfolge zu verdanken hat. „Jemanden mit Shutterfly zu vergleichen ist schwer“, sagte sie: „Da steht jedes Pferd im Schatten.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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