Pizarro als Hoffnungsträger
Trügerische Zeichen der Hoffnung

Der FC Bayern redet sich nach dem mühsamen 2:1 gegen Gladbach gute Chancen gegen Chelsea ein.

MÜNCHEN. Es war eine verwegene Unterstellung, aber sie passte ins Bild dieser ruhelosen Tage. Michael Ballack war am Samstagabend zugetragen worden, dass ihn Chelseas John Terry als Schwalbenkönig geadelt hatte, wegen seines Sinkflugs in der Schlussminute des Champions-League-Hinspiels - Ballack störte sich nicht daran. "Vielleicht zeigt das, dass sie ein bisschen nervös sind", vermutete der Spielmacher des FC Bayern. Schon nach dem 2:4 am Mittwoch hatten die Münchner erstaunliche Interpretationen des Ergebnisses in Umlauf gebracht. Von riesigen Zeichen der Hoffnung hatten sie gesprochen. Unter diesem Eindruck scannten die Beteiligten das mühsame 2:1 gegen Mönchengladbach durch Tore von Scholl und Ballack bei einem Gegentor von Ulich gleichfalls nach Indizien ab, weshalb man am Dienstag doch noch weiterkommen werde. Die lange Zeit schwache Vorstellung fand in der Analyse keine große Berücksichtigung.

Trainer Felix Magath behagte vielmehr die Tatsache, dass seine Elf trotz Rückstands noch gewann. "Wenn das kein Selbstvertrauen gibt, ein Spiel umzudrehen, dann weiß ich es auch nicht." Schließlich gelte es gegen Chelsea ebenfalls zunächst den Schaden des Hinspiels zu reparieren. Von Vorteil wäre, wenn sich das ganze Team genau wie Ballack der eigenen Fähigkeiten bewusst wäre - oder zumindest dessen, was er dafür hält. "Wir haben gezeigt, dass wir zu Hause jeden Gegner schlagen können", sagte Ballack nach dem Spiel gegen den Tabellen-Vierzehnten in einem Anflug von taktischem Selbstbetrug - ohne zu erwähnen, woher er dieses Wissen bezieht. Gegen jene Konkurrenten nämlich, mit denen sich die Münchner ebenbürtig wähnen, sprang in den letzten Jahren eine überschaubare Zahl an Siegen heraus: Aus der letzten Saison ist die Erinnerung frisch an das 1:1 gegen Real Madrid und das 1:3 gegen Werder, in diesem Spieljahr hieß es gegen Schalke und Juventus Turin jeweils 0:1.

Mut schöpfen die Münchner aus der Tatsache, dass Claudio Pizarro wohl wieder einsatzbereit ist. Zudem glänzte auch Chelsea am Samstag nicht. Didier Drogba traf in der 82. Minute zum 1:1-Endstand gegen Birmingham City in der Premier League. Dennoch können sich die Bayern gegen Chelsea keinen derart müden Start wie gegen Gladbach leisten, als sie 65 Minuten benötigten, um ihr erweitertes Warmlaufen abzuschließen. Ballack schlug deshalb vor, sich mittels technischer Hilfe stets an die Dringlichkeit eigener Aktivität zu erinnern: "Wir liegen 0:2 zurück, wir müssen einen Rückstand aufholen. Vielleicht blenden wir das am besten auf der Anzeigetafel ein."

Manager Uli Hoeneß äußerte die einzig realistische Einschätzung: "Wenn die Zuschauer mitgehen und wir einen wunderbaren Tag erwischen, dann haben wir möglicherweise eine Chance."

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