Poker-Kolumne (1)
Na Mäuschen, hast du dich verirrt?

Poker ist eine Männerdomäne. Dabei können Frauen es so herrlich ausnutzen, unterschätzt zu werden – solange sie sich nicht selbst unterschätzen. Pokern ist auch ein Crashkurs für das richtige Leben.
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Man fragt sich ja immer, warum die Welt so ist wie sie ist. Warum Frauen immer noch weniger verdienen als Männer und warum es so komische Gesetze wie die Frauenquote geben muss. Neulich ist mir all das schlagartig klar geworden.

Denn ich hatte in einem Casino an der Berliner Hasenheide ein Erweckungserlebnis. Für alle Nicht-Berliner: An der Hasenheide ist es nicht wirklich schön. Für alle Nicht-Pokerer: Es wird jetzt etwas fachspezifisch, aber da müssen Sie durch!

Wir waren zu dritt in einer Hand. Zwei Männer (natürlich!) und ich, das blonde Einzelschicksal. Ich hielt ein Zehner-Pärchen auf der Hand, was eine ganz ordentliche Starthand ist. Eigentlich hätte das meine Runde werden können. Hätte. Argh. Wenn man den Konjunktiv benutzen muss, wenn es um Poker geht, bedeutet es nichts Gutes. Im Klartext: Es lief beschissen.

Nachdem ich einen Blick auf die schönen Zehner geworfen hatte, erhöhte ich auf den dreifachen Big-Blind. Alle warfen weg bis auf die zwei Spieler mir gegenüber. Der Erste, Marke Statist aus einem billigen Ganovenfilm, erhöhte meine Erhöhung, ohne mit der Wimper zu zucken.

Ich schluckte. Der Spieler neben ihm erhöhte noch einmal. Er schob fast die Hälfte seiner Chips in die Mitte und sagte dabei mit fester Stimme „Raise.“ Dann kaute er weiter Kaugummi und sah so unbeeindruckt aus, als würde er gerade auf den Bus warten.

Herr im Himmel, dachte ich. Da habe ich einmal eine gute Starthand und dann sitzen hinter mir Könige, wenn nicht sogar Asse. Ich stieg aus. Sollten sie sich doch alleine die Köpfe einschlagen. Und tatsächlich: Sie machten da weiter, wo sie angefangen hatten.

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