Poker-Kolumne (8)
„Der Banker hat keine Ahnung. Der blufft.“

George Danzer ist der erfolgreichste Pokerspieler dieses Jahres. Das Leben als Profi ist nicht immer glamourös – dafür hilft dem 31-Jährigen sein Pokerwissen, um schlechte Bankberater zu erkennen.
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Acht Wochen lang hat unsere Autorin tapfer versucht, beim Pokern voll durchzustarten. Sagen wir mal so: Sie bleibt dann doch besser Journalistin. Zum Abschluss der Kolumne spricht sie nun mit einem, der weiß, wie der Hase läuft. George Danzer ist als erster Deutscher „Player oft the Year“ der World Series of Poker geworden. Mit dieser Auszeichnung wird der erfolgreichste Spieler des Jahres geehrt. Herr Danzer, übernehmen Sie!

Bevor wir über Poker sprechen, möchte ich Sie erst einmal fragen, ob Sie mich bei meinem nächsten Banktermin begleiten könnten. Sie sagen nämlich, dass Sie sofort erkennen, wenn Ihnen jemand Schund verkaufen möchte.
Das stimmt. Ich wollte etwas Geld anlegen und der Berater hat mir einen Fonds angeboten. Die Rendite-Zahlen der letzten Jahre klangen traumhaft. Ich habe dann ein paar Nachfragen gestellt, wirklich nichts Weltbewegendes. An der Art und Weise, wie er geantwortet hat, habe ich gemerkt, dass er überhaupt keine Ahnung hatte.

Woran haben Sie das festgemacht?
Nun, ich habe einen Tell bekommen, wie wir Pokerspieler sagen. Das sind unkontrollierte Verhaltensweisen, aus denen man Rückschlüsse auf das Spiel ziehen kann. Das sind meistens Kleinigkeiten. In diesem Fall war die Veränderung ebenfalls nur minimal. Aber man hörte, dass der Banker plötzlich seinen Rhythmus in der Sprache veränderte. Was ihn entlarvte, war seine Art zu sprechen. Und da er plötzlich ganz anders sprach als zu Beginn des Gesprächs, wo er seine auswendig gelernten Fakten runterbeten konnte, war klar: Der hat keine Ahnung. Der blufft.

Profitieren Sie auch außerhalb von Geldinstituten vom Poker?
Ich glaube, ich habe ganz generell eine andere Einstellung zum Leben. Da ich weiß, dass Glück eine große Rolle spielt – beim Poker und sonst auch – bin ich entspannter als andere Leute. Wenn ich den Haustürschlüssel vergesse und mich aussperre, ärgert mich das nicht sonderlich. Das passiert eben ein Mal im Jahr, da muss man durch. Wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich mich freuen, aber sicher nicht komplett ausflippen. Gute und schlechte Ausschläge nehme ich gelassener hin als andere. Wichtig ist nur, die Wahrscheinlichkeiten zu kennen, ob ein Ereignis eintritt. Glück ist überall dabei.

Sie sind gerade „Player of the Year“ geworden. Bis zuletzt war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Amerikaner Brandon Shack-Harris. Wenn in einem Spiel der Gegner von Ihrem Rivalen nicht auf der letzten Karte noch ein Ass bekommen hätte, wären Sie vielleicht nur Zweiter geworden. Kurz: Sie hatten ganz schön viel Glück, oder?
Wenn Brandon die Hand gewonnen hätte, wäre er nicht automatisch Gesamtsieger geworden, der hätte schon noch fighten müssen. Aber klar, Glück gehört dazu. In Australien haben wir sogar einmal direkt gegeneinander gespielt. Ich hielt Ass-König, er hatte ein Zehnerpärchen. Das ist ein klassischer Coinflip, die Wahrscheinlichkeiten zu gewinnen, liegen bei 50:50. Brandon hat gewonnen, ich war raus. Da hat er mich kurzzeitig in der Gesamtwertung überholt.

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„Mein Rat: Leute, studiert weiter!“

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