Porträt
„Ich hatte keine Ahnung vom Segeln“

Michael Scheeren kam, um das deutsche Boot vorm Kentern zu bewahren. Heute kümmert er sich darum, dass es auch schnell segelt.

VALENCIA. Müsste man den Eindruck, den man mit den America’s-Cup-Teams verbindet, architektonisch beschreiben, bei den Deutschen vom „United Internet Team Germany“ fiele einem ein Wohnzimmer ein, mit Kaminfeuer und Bärenfell.

So jedenfalls stellen sich die Deutschen heute dar, früher war das anders. Bis in den August 2005, zur Zeit der größten Krise des Teams, dachte man in Zusammenhang mit dem Cup-Newcomer abwechselnd an eine chaotische Lagerhalle oder an die abweisende Rezeption eines schlecht geführten Hotels.

Das neue Wohnzimmer-Wohlgefühl stellt sich vor allem ein, wenn man Michael Scheeren trifft. Der 49-Jährige mit der warmen Stimme ist der Chef des „United Internet Team Germany“ – seit den Tagen der Krise, als vor allem der damalige Teamchef Uwe Sasse wegen nicht gezahlter Gehälter und falscher Versprechungen ins Gerede gekommen war. Scheeren kam, als das deutsche Boot unterzugehen drohte.

Wenn der Westerwälder aus diesen stürmischen Tagen erzählt, dann klingt das unaufgeregt, selbst das Wort „Krise“ verliert seine Spannkraft. Sie wird zu einem natürlichen Zustand, dem man sich stellen muss. Man kann sich gut vorstellen, dass Scheeren selbst damals, als es lichterloh brannte, so ruhig und abgeklärt seine Aufgabe übernahm. „Da musste ja Ruhe ins Team“, erzählt er. „Das habe ich dann halt versucht.“ Er brachte das Team wieder in ruhigere Gewässer, baute Vertrauen und Sicherheit auf, indem er all die unter Sasse liegen gebliebenen Verträge zum Abschluss brachte. Dann, im Oktober 2005, übernahm er auf Bitte von Steuermann Jesper Bank und Technik-Direktor Eberhard Magg den Posten offiziell. „Ich hatte zwar keine Ahnung vom Segeln. Aber Bank und Magg waren der Meinung, dass ein neutraler Manager sehr gut sein könnte.“

Scheeren ist kein Segler, aber von Management, Unternehmen, Geld und Krisen versteht er eine Menge. Der gelernte Bankkaufmann kam 1991 zu dem damals jungen Internet-Unternehmen 1&1, für das er den Börsengang 1998 vorbereitete. Als United Internet nach dem Crash der „New Economy“ kurz vor der Pleite stand, setzte Gründer Ralph Dommermuth eine Radikalkur an, für deren erfolgreiche Umsetzung auch Scheeren als Finanz-Vorstand verantwortlich war. Damals baute „United Internet“ Schulden in Höhe von 86 Millionen Dollar in einem halben Jahr ab und legte den Grundstein für den bis heute erfolgreichen Aufstieg. Wer mit solchen Zahlen jongliert, braucht einen kühlen Kopf.

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