Porträt
Raffaele Guariniello – der Großinquisitor

Die Tageszeitung "Corriere della Sera" nennt ihn den "Großinquisitor". Und Turin ist sein Reich. Seit Jahren sorgt Staatsanwalt Raffaele Guariniello von hier aus mit aufsehenserregenden Doping-Verfahren für Schlagzeilen. Wie eine Art selbst ernannter Don Quichotte der Justiz kämpft er gegen den Dopingsumpf und scheut sich nicht, Ikonen des Sports ins Visier zu nehmen.

sid TURIN. Bekannt wurde der 65-Jährige, als er Ermittlungen gegen den mittlerweile an einer Überdosis Kokain gestorbenen Radprofi Marco Pantani aufnahm. Beim Giro d?Italia 1999 wurde Pantani nach mehren Razzien - quasi als Gesamtsieger feststehend - wegen eines zu hohen Hämatokrit-Wertes aus dem Rennen genommen.

1999 nahm Guariniello auch Ermittlungen gegen verschiedene Fußball-Klubs auf. Dutzende von Fußballern, Medizinern, Trainern und Funktionären vernahm er. Darunter auch Diego Maradona, Ronaldo, Alessandro Del Piero und Zinedine Zidane. Auslöser der Ermittlungen waren die Worte des damaligen AS-Rom-Trainers Zdenek Zeman, der bei einer Anhörung vor dem Doping-Ausschuss des Nationalen Olympischen Komitees von Italien vor einer zunehmenden "Doping-Kultur" gewarnt hatte.

2003 zerrte Guariniello den einflussreichen Geschäftsführer von Juventus Turin, Antonio Giraudo, und Teamarzt Riccardo Agricola, vor Gericht. Er warf Agricola systematisches Doping von Spielern mit EPO (Erythropoetin) in den 90er Jahren vor, als es in Italien noch kein Anti-Doping-Gesetz gab. Der Prozess läuft noch.

Guariniello kann sich bei seinen Ermittlungen auf eines der schärfsten Anti-Doping-Gesetze der Welt stützen: Wer verbotene Substanzen einnimmt oder Beihilfe dazu leistet, muss seit dem Jahr 2000 mit bis zu drei Jahren Gefängnis und drastischen Geldbußen rechnen. Doping ist zur Straftat aufgerückt - wer dopt oder gedopt ist, wird zum Kriminellen. Und damit ein Fall für den Großinquisitor.

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