Positive A-Probe von Sinkewitz
Größter anzunehmender Schaden

Kaum ein anderes Profiteam hat in den vergangenen Monaten einen rigideren Antidopingkurs gefahren, als die Equipe von T-Mobile. Ein internes Testsystem wurde entwickelt. Die Fahrer wurden angewiesen, eine Ehrenerklärung zu unterschreiben. Alles umsonst. Die positive A-Probe von T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz ruiniert das Image seines Arbeitgebers als Antidopingkämpfer.

MARSEILLE. Knapp eine Stunde nach dem Start zur zehnten Etappe der Tour de France erhob sich Marcus Burghardt aus seinem Sattel und erhöhte die Trittfrequenz. Marcus Burghardt ist Fahrer beim deutschen Rennstall T-Mobile, mit jedem Kilometer setzte er sich weiter vom Peloton ab. Hätte es am Morgen nicht diese Meldung aus der Heimat gegeben, sein Ausreißversuch wäre als verwegen und mutig erklärt worden.

So aber trug Burghardts Fahrt die tragischen Züge eines Fluchtversuchs. Am Morgen hatte die Nationale Antidopingagentur vermeldet, dass eine am 8. Juni in den Pyrenäen entnommene Trainingsprobe von Burghardts Kollegen Patrik Sinkewitz einen unerlaubt hohen Testosteronwert von 24:1 aufgewiesen hätte. Erlaubt sind 4:1.

Die Nachricht von der prositiven A-Probe traf die Funktionäre der deutschen Equipe gestern morgen mit der Wucht eines Sommersturms. „Ist der denn ganz und gar verrückt geworden?“, haderte T-Mobiles Sportlicher Leiter Rolf Aldag, jahrelang selbst dopingerfahren, mit Sinkewitz’ positivem Befund. „Ich kann es nicht fassen.“ Fassungslos reagierte selbst Sinkewitz’ Manager Tony Rominger, der ebenfalls den wegen Testosteron-Dopings jüngst vom Team Astana entlassenen früheren T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler betreut. „Das ist blanker Wahnsinn“, so der Schweizer. „Ich verstehe die Fahrer nicht.“ Auch Christian Frommert, Kommunikationsdirektor beim Hauptsponsor T-Mobile war „geschockt“ und verkündete, man habe Sinkewitz bis zur Öffnung der B-Probe suspendiert.

Den Imageschaden für T-Mobile wird dies jedoch nicht abwenden können. Kaum ein anderes Profiteam hat in den vergangenen Monaten einen rigideren Antidopingkurs gefahren, als die deutsche Equipe. Alles umsonst. Das Bild von den deutschen Erneuerern ist schwer beschädigt und die mühsam aufgebaute Reputation als Antidopingkämpfer erst einmal dahin.

Da wird es nach dem Fall Sinkewitz kaum helfen, auf das teaminterne Testsystem zu verweisen. Dieses helfe nur, Blutdoping zu erkennen beziehungsweise zu verhindern, erklärte T-Mobile-Manager Bob Stapleton, Testosteronmißbrauch zu prüfen, sei Sache der dafür zuständigen Antidoping-Agenturen.

Womöglich wäre T-Mobile dennoch besser beraten gewesen, seine Fahrer auf das Anabolikum hin zu prüfen, auch wenn der Test aufwendig ist und lange dauert. Bereits voriges Jahr war Tour-Sieger Floyd Landis der Mißbrauch des männlichen Hormons nachgewiesen worden, wie auch Kessler oder beim Giro d’Italia gleich mehreren Fahrer, deren Werte ganz offensichtlich künstlich gesenkt worden waren. Sie lagen unter denen von Kleinkindern.

Seite 1:

Größter anzunehmender Schaden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%