Positives Zwischenfazit: Bach äußert Anerkennung für Turin

Positives Zwischenfazit
Bach äußert Anerkennung für Turin

Zwar hakt es noch hier und da - speziell die Zuschauerresonanz lässt teilweise noch zu wünschen übrig, trotzdem zieht IOC-Vizepräsident Thomas Bach nach den ersten Tagen von Turin 2006 ein positives Zwischenfazit.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach hat für Olympiaort Turin fast nur positive Worte übrig. Trotz der "verbesserungswürdigen" Zuschauerresonanz stellte er den Italienern ein positives Zwischenzeugnis aus. "Am Ende werden es gute Winterspiele gewesen sein", sagte der Tauberbischofsheimer im sid-Interview und riet von einer übereilten weiteren deutschen Olympiabewerbung ab.

Für Turin nannte er mehrere Pluspunkte, die bereits nachhaltig Eindruck gemacht hätten. Dazu zählten erstklassige Wettkampfstätten, die großen Sport ermöglichten, oder "tägliche olympische Stimmung pur" auf der Medal Plaza. Mit den abendlichen Siegerehrungen im Herzen der Metropole ist es Turin seiner Ansicht nach überzeugend gelungen, die Brücke zwischen Stadt und Bergen zu schlagen.

Räumliche Trennung nicht vermeidbar

"Natürlich wünscht sich jeder Winterspiele in einem Bergdorf, doch das geht an der heutigen Realität vorbei. Dafür bieten sich auf der ganzen Welt nicht mehr viele Plätze an, die diesem Anspruch standhalten würden", meinte der IOC-Vize. Die räumliche Trennung "von Eis und Schnee" sei leider ein Trend, der sich kaum mehr umkehren lasse, 2010 in Vancouver werde die Situation ähnlich sein.

Das würde auch für eine deutsche Kandidatur gelten: "Da wäre noch München denkbar, nicht mehr wie 1936 Garmisch-Partenkirchen." Ein nächster Olympia-Anlauf müsse aber sorgfältig "auch auf mögliche Chancen" abgewogen werden, sagte der 52-Jährige und ließ deutliche Vorbehalte gegen "Hier-Rufe" aus Sport und Politik erkennen: "Wir sollten aufpassen, dass wir nicht eine Stadt vorschnell verbrennen."

Für deutsche Bewerbung Zeit nehmen

Er könne der Führung des künftigen Deutschen Olympischen Sportbundes Dosb nur raten, sich für eine Entscheidung, ob und für was man sich bewerben wolle, bis 2007 Zeit zu nehmen. Man solle besser abwarten, bis eine Tendenz erkennbar sei, ob Salzburg in der Favoritenposition für 2014 bleibe: "Gehen die Spiele nach London 2012 erneut an Europa, muss jedem klar sein, dass ein Anlauf langen Atem braucht." Ehe das der Fall in Sport, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sei, gebe es keinen Grund für Handlungsbedarf.

Was Turin betreffe, so habe der Mangel "atmosphärischer Dichte" angesichts leerer Tribünen bei manchen Wettbewerben natürlich im IOC Besorgnis ausgelöst: "Weil es besonders für die Athleten schade ist, die ja das Wichtigste der Spiele sind - und das auch spüren müssen." Bach kritisierte die Gastgeber wegen der "nur schwer angelaufenen Promotion" für das Großereignis im eigenen Land. So habe selbst der Olympia-Sender RAI-TV die Spiele "erst spät entdeckt und dann nicht gerade überschäumend unterstützt".

Diskrepanz zwischen verkauften Karten und Zuschauerresonanz

Die deutliche Diskrepanz zwischen der Zahl abgesetzter Karten (bisher über 800 000, d.Red.) und der oft mageren Kulisse sei auch ihm ein Rätsel, bekannte der Olympiasieger: "Das mag zwar das Toroc zufriedenstellen, weil der Etat stimmt, für das IOC aber geht es hier nicht um das Geld, sondern um das Flair der Spiele." Man werde analysieren müssen, ob "vielleicht Pakete an Sponsoren oder andere abgegeben wurden, die diese dann nicht genutzt haben".

Uneingeschränktes Lob verdienen die Organisatoren laut Bach für die Wettkampfanlagen: "Wenn der Franzose Deneriaz die Abfahrt mit Startnummer 30 gewinnen kann, sagt das alles über die hohe Qualität der Pisten. Ähnliches gilt für die Stadien, wie uns alle Weltverbände bescheinigen."

Dies sei eines der wertvollen Vermächtnisse, die die Spiele dem Piemont hinterlassen würden, betonte das IOC-Mitglied. Dazu käme die Verbesserung der Infrastuktur, von der der Tourismus langfristig profitieren werde: "Hier sind keine weißen Elefanten entstanden." Deshalb sei es auch richtig gewesen, auf Hotel-Neubauten in den Bergen zu verzichten: "Das wäre den dortigen Dörfern nicht zumutbar gewesen."

Erinnerung an Lillehammer

Man dürfe auch die Erinnerung an Lillehammer nicht über Gebühr strapazieren, meinte Bach in diesem Zusammenhang: "Die Erinnerung verklärt manches, auch dort waren die Schauplätze weit verstreut." Der Eindruck des "Wintermärchens 1994" habe sich vor allem durch die unglaubliche Begeisterung der Zuschauer damals eingeprägt: "Wo immer man war, glaubte man, im Zentrum der Spiele zu sein."

Das sei in Turin sicher noch nicht der Fall gewesen: "Aber ich bin optimistisch, dass man Potenzial für Steigerungsmöglichkeiten hat und es in den kommenden Tagen nutzen wird." Schon jetzt könne "die Warmherzigkeit der Italiener, ganz besonders der rund 20 000 ehrenamtlichen Helfer" jedem Vergleich standhalten, unterstrich der deutsche Sportführer: "Am Ende werden dieser Einsatz und diese Emotionen, die schon die für mich beste Eröffnungsfeier aller Winterspiele ausgelöst haben, die Erinnerung an Turin 2006 prägen."

© SID

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