Profil: Walter Mayer – der Blutbeutel-Mann

Profil
Walter Mayer – der Blutbeutel-Mann

Der Trainer Walter Mayer hat eine Karriere zwischen Glanz und Elend hinter sich. Unter seiner Regie feierten die österreichischen Langläufer und Biathleten eine Reihe von Überraschungssiegen. Doch durch den wiederholten Dopingverdacht werden die Erfolge relativiert.

HB TURIN. Als Coach und Nordischer Direktor des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) seit 1998 hat er die Athleten der Alpenrepublik an die internationale Spitze geführt und 1999 in Ramsau überraschend die Weltmeisterschaft mit der Langlauf-Staffel gewonnen.

Unter seiner Regie wurde der Biathlet Wolfgang Rottmann Weltmeister, 2002 bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City holte Wolfgang Perner Bronze. "In der österreichischen Nationalmannschaft nützen wir all das aus, was unter regenerative Maßnahmen fällt, lassen aber unser Finger von Doping", schrieb Mayer in seinem Buch "Von Pfeif'n und Trott'ln" über sein Erfolgsrezept.

Der Erfolg im amerikanischen Mormonenstaat markierte aber auch den Wendepunkt in der Laufbahn des heute 48 Jahre alten Trainers. Im Haus der OSV-Läufer in Midway wurden damals Blut verschmierte Beutel gefunden, die den Rückschluss auf verbotenen Doping-Methoden zuließen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schloss ihn daraufhin bis einschließlich 2010 in Vancouver von Winterspielen aus. "Ich war ein Trottel", meinte Mayer.

Der Ski-Weltverband FIS verhängte wegen der so genannten "Blutbeutel-Affäre" am 10. Mai 2003 einen lebenslangen Bann gegen ihn, reduzierte diese Sperre im Februar 2005 aber auf zehn Jahre. Dagegen klagte Mayer vor dem Innsbrucker Arbeitsgericht mit Erfolg: Die FIS-Sperre wurde am 31. Dezember 2005 für unrechtmäßig erklärt.

Zudem durfte die FIS ihm Akkreditierungen bei FIS-Veranstaltungen nicht verwehren. Der Olympia-Bann blieb davon unberührt. Mayer, der als Aktiver 1980 den berühmten Wasa-Lauf gewonnen hatte, wurde daraufhin auch vom ÖSV als Trainer wieder eingestellt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und das IOC behielten ihn aber im Visier. "Die Österreicher waren in Salt Lake City verdächtig. Deshalb haben wir Maßnahmen ergriffen und werden Maßnahmen ergreifen", sagte Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC, nach der Polizei-Razzia im Olympia-Quartier der Österreicher am Samstag. Zehn Tage vor den Winterspielen wurden nach seinen Angaben in Mayers Privathaus in Ramsau Gerätschaften gefunden, die denen von Salt Lake City ähnlich seien.

Mayer, der für seine unverblümte wie undiplomatische Art bekannt ist, hatte trotz seines Olympia-Banns keine Skrupel, zu den Turin- Spielen anzureisen und sogar im angemieteten Haus des ÖSV zu schlafen. "Das war keine Sperre, sondern nur eine Disqualifikation", sagte er noch zwei Tage zuvor in einem TV-Interview und fügte an: "Ich kann nicht sagen, dass mich das stört." Der ÖSV hat aus seinem skandalösen Olympia-Trip die Konsequenz gezogen und Mayer entlassen.

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