Protest
Russlands Homosexuelle planen eigene Winterspiele

Bei den Olympischen Spielen würde niemand wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert, so das Versprechen von Wladimir Putin. Russlands Homosexuelle planen trotzdem eine Protestaktion – gleich nach Olympia.
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Moskau/SotschiUngeachtet der repressiven Gesetzeslage in Russland plant der Homosexuellenverband des Landes nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi einen eigenen Sportwettkampf. „Wir starten am 26. Februar, damit Amateursportler, Journalisten und andere von Sotschi nach Moskau kommen und uns unterstützen können“, sagte der Vorsitzende des Sportverbands der Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen, Viktor Romanow, am Montagabend der Nachrichtenagentur AFP. Die am 23. Februar endenden Spiele im Schwarzmeerort Sotschi stehen wegen der homosexuellenfeindlichen Stimmung in Russland in der Kritik.

Romanow geht davon aus, dass die geplanten „Russischen Offenen Spiele“ nicht gegen das im Juni verabschiedete Gesetz gegen „Homosexuellenpropaganda“ verstößt. „Wir fallen nicht in den Bereich dieses Gesetzes, weil wir nicht Homosexualität propagieren, sondern Sport und eine gesunde Lebensführung“, sagte Romanow. Eine Anmeldung des Sportfests bei den Behörden ist nicht nötig, weil es sich nicht um eine politische Demonstration handelt. Romanow bat um möglichst viele Besucher.

Mit der Datumswahl fallen die Spiele des Schwulen- und Lesbenverbands genau zwischen die Olympischen Winterspiele und die Paralympics Anfang März, welche ebenfalls in Sotschi stattfinden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt wiederholt versichert, dass sich Russland auch Homosexuellen gegenüber an die olympischen Prinzipien der Diskriminierungsfreiheit halten werde. „Wir tun alles, um sicherzustellen, dass sich Athleten, Fans und Gäste bei den Olympischen Spielen wohlfühlen“, sagte Putin am Montag beim Besuch des neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach am Austragungsort der Spiele. Dies gelte „unabhängig von der Volksgruppe, Rasse oder sexuellen Orientierung“.

In Russland gibt es immer wieder Übergriffe gegen bekennende Homosexuelle. Die homophobe Stimmung war durch das Anti-Propagandagesetz zusätzlich angeheizt worden. In Russland stand Homosexualität noch bis 1993 unter Strafe und galt bis 1999 als Geisteskrankheit.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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