Puristen kritisieren Fleet Racing
America’s Cup verabschiedet sich vom reinen Zweikampf

Erstmals seit 1870 treten die Teilnehmer des America's Cup nicht nur im Zweikampf (Match Race) gegeneinander an, sondern sie starten auch alle auf einmal.

HB ZÜRICH. Yves Carcelle konnte seine Begeisterung nicht im Zaume halten: "Die Flotten-Regatten sind einfach phantastisch. Ich werde die tollen Bilder für immer in Erinnerung behalten." Die euphorischen Worte des Präsidenten und Generaldirektors von Louis Vuitton - einem der Hauptsponsoren des 32. America's Cup - galten einer Neuerung, welche die Organisatoren im Vorprogramm des Wettbewerbs um die älteste Trophäe der Welt eingeführt haben. Erstmals seit 1870 treten die Teilnehmer nicht nur im Zweikampf (Match Race) gegeneinander an, sondern sie starten auch alle auf einmal. Fleet Race nennt sich diese Regatta-Form - ein gängiges Wettkampfmodell im Segelsport, im modernen America's Cup jedoch ein Novum.

Und nicht umstritten: Ein Fleet Race wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen und wird von den Cup-Puristen als PR-Gag und Entertainment abgetan. Denn der America's Cup ist Match Racing, das Duell zweier Jachten, bei dem es nur einen Sieger gibt und der Verlierer leer ausgeht. Eingeführt wurde das Match Race im Cup vor 135 Jahren, um sich von den übrigen Regatten zu unterscheiden. Denn schon damals war üblich, was heute auf vielen Binnengewässern an Wochenenden und an den Olympischen Spielen die Norm ist: Der Start vieler Jachten gleichzeitig, das Fleet Racing, bei dem der Sieger wegen Protesten der Gegner oft erst in den späten Abendstunden feststeht, Stunden nach dem Ende der Regatten.

Match Racing hingegen war von Beginn an übersichtlich und leicht verständlich. Zwei Boote segeln gegeneinander, das erste gewinnt, das zweite geht leer aus. So erlangte der America's Cup nicht zuletzt dank dem exklusiven Format Weltberühmtheit. Die Duelle reicher und exzentrischer Segler gingen in die Sportgeschichte ein.

Jochen Schümann, als dreifacher Olympiasieger und als America's Cup-Gewinner gleichermaßen ein Fleet- und Match-Race-Spezialist, sieht den Vorteil im Duell zweiter Boote denn auch in der Klarheit der Situation für den Zuschauer, für den ein Feld mit vielen Segelbooten eher wie ein Durcheinander erscheint. "Im Match Race kommt es nicht darauf an, den schnellsten Weg ins Ziel zu suchen, wie das in einem Feld von zwanzig und mehr Booten der Fall ist. Man muss lediglich seine Position gegenüber dem anderen Boot verteidigen. Alle Schiedsrichterentscheide werden auf dem Wasser gefällt; bei Regelverstössen müssen die Kontrahenten einen Straf-Kringel ausführen. So ist für den Zuschauer immer klar, wer der Sieger ist."

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