Qualifikant sucht Zimmer: Gremelmayr zeigt Becker-Faust

Qualifikant sucht Zimmer
Gremelmayr zeigt Becker-Faust

Der deutsche Nachwuchsspieler landete in Melbourne einen Überrschungscoup gegen Robby Ginepri und erreichte die dritte Runde. Nun muß Denis Gremelmayr allerdings umziehen.

HB MELBOURNE. Nach dem größten Erfolg seiner Karriere stand Denis Gremelmayr in Melbourne gestern ohne Unterkunft da. „Aus meinem Zimmer muss ich raus; ich hatte nur bis heute gebucht“, sagte der Qualifikant des Grand-Slam-Turnieres. Nicht einmal der 24-Jährige selbst hatte klammheimlich damit gerechnet, dass er die Erwartungen bei den Australian Open so übertreffen würde: Mit seinem 2:6, 5:7, 6:4, 6:3, 6:3-Erfolg über den an 13 gesetzten US-Open-Halbfinalisten Robby Ginepri aus den USA zog der bisherige Nobody aus Lampertheim gestern bei seinem ersten Grand-Slam-Turnier als erster Deutscher in die dritte Runde ein.

Am Ende liefen die Beine ganz von alleine. „Ich habe den Kopf abgeschaltet und nur noch laufen, laufen, laufen gedacht“, erzählte Gremelmayr und rieb sich nach dem ersten Fünfsatzmatch seiner Karriere die müden Oberschenkel. Daheim in Lampertheim saßen am Mittwoch Familie und Freunde mitten in der Nacht vor dem Computer und verfolgten seine Zweitrundenpartie gegen Ginepri im Internet.

„Unglaublich, der Wahnsinn, es war genial“, sagte Gremelmayr nach seinem Überraschungscoup gegen den Weltklassespieler. 3:03 Stunden hatte er in der Margaret-Court-Arena gekämpft und Ginepri am Ende demoralisiert. Mit geschickten Tempowechseln, guten Stopps und seiner gefährlichen Vorhand zog er Ginepri den Nerv. „Der hat die Welt nicht mehr verstanden“, sagte der strahlende Sieger. 6 000 Zuschauer feierten den unbekannten Deutschen schließlich mit „Denis, Denis“-Rufen und der Welle. „Da lief es mir kalt den Rücken herunter“, sagte der Linkshänder.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt kam erst Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen dazu. Er hatte zuvor die erfolglosen Bemühungen von Philipp Kohlschreiber und Lars Burgsmüller verfolgt. Kohlschreiber unterlag Ivan Ljubicic aus Kroatien 5:7, 2:6, 1:6. Burgsmüller verlor gegen den an acht gesetzten Argentinier Gaston Gaudio mit 3:6, 2:6, 3:6.

Umso mehr freute Kühnen sich über den Sieg von Gremelmayr: „Wahnsinn, wie der Kerl das Match noch gedreht hat. Sensationell“, sagte der Davis-Cup-Kapitän, „ich bin wirklich sehr, sehr überrascht. Hut ab.“ Vor allem die Coolness, mit der Gremelmayr nach seinem Break zum 5:3 das Match gewann, war beeindruckend. „Ich war so im Spiel drin, ich habe mir da überhaupt keinen Kopf gemacht“, sagte der Realschulabsolvent, der in der deutschen Rangliste nur an 17 geführt wird.

Gremelmayrs Karriere als Tennisprofi kam auch nur schleppend in Gang. Von einer Schleimbeutelentzündung in der Schulter und einem Sehnenanriss im Handgelenk geplagt, musste er zwei Jahre fast vollständig pausieren und kam erst in den letzten zehn Monaten wieder richtig in Schwung. Am Freitag darf er nun gegen Marcos Baghdatis aus Zypern spielen und wenn alles gut läuft am Sonntag gegen Andy Roddick - ein neuer Karrierehöhepunkt.

Rund 28 900 Euro hat Gremelmayr in Melbourne bereits verdient. In der Weltrangliste macht er einen Sprung von 177 auf einen Platz zwischen 120 und 130 und rückt der automatischen Qualifikation für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers näher. Kühnen traut Gremelmayr den Durchbruch zu: „Er ist ein sehr gefährlicher Spieler, hat viel Ballgefühl und ich kenne keinen, der einen schnelleren Arm hat.“ Der Sieg gegen Ginepri kann eine Initialzündung sein.

Glückwünsche aus der Heimat gab es übrigens zunächst keine: „Ich habe mein Handy im Hotel vergessen. Mich kann momentan keiner erreichen“, sagte Gremelmayr, lachte herzerfrischend und machte sich auf, ein neues Hotel zu suchen.

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