Radsport als Quotenerfolg
Fernsehrennen um die Tour de France

Das Rad, es dreht sich wieder. Nach Jahren der vor allem durch Doping bedingten Krise scheint der Radsport wieder genesen. Das Zuschauerinteresse steigt, ARD und Eurosport zeigen so viel wie nie – vor allem digital.
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WienDiese Tour de France wird in die Fernsehgeschichte eingehen. Trotz des angeschlagenen Images des berühmtesten Radrennens der Welt übertragen ARD und der Privatsender Eurosport so viele Stunden live wie nie zuvor. Das Erste berichtet täglich von der Tour, spätestens kurz nach 16 Uhr. Außerdem wird der Etappenbeginn auf dem kleinen Digitalsender One live sowie im Internet übertragen. „Die Tour de France ist nach wie vor das größte Radsport-Ereignis der Welt und das größte Sportereignis in Europa außerhalb von Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften und Europa-Meisterschaften. Darüber hinaus fand der Grand Départ zum ersten Mal seit dreißig Jahren wieder in Deutschland statt“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky dem Handelsblatt. Der Umfang der Übertragungen der Tour im Ersten in diesem Jahr entspreche dem von 2015 und 2016.

Für die Hardcore-Freunde des Radsports fährt Eurosport reichlich Sendestunden auf. Die Tochter des amerikanischen Medienkonzerns Discovery überträgt alle 21 Etappen in voller Länge live. „Das sind insgesamt über 100 Stunden“, bekräftigt ein Sprecher von Eurosport. „Radsport ist für uns ein fester Bestandteil des Programms“, heißt es bei dem Sportkanal.
Doch die Skandale in den vergangenen Jahren haben verhindert, dass die Tour de France zu einem neuerlichen TV-Massenphänomen wurde. „Die Tour de France ist die wichtigste Marke im Radsport, doch sie hat Schrammen. Die Frage ist, ob sich die jemals weglackieren lassen“, merkt der Radsportexperte eines anderen Senders an. „Der Radsport ist wieder interessanter geworden. Doch es fehlen die großen Stars wie Jan Ullrich. Über solche Persönlichkeit konnte man den Radsport verkaufen“, sagt der Sportrechteexperte und frühere RTL-Chefredakteur Hans Mahr dem Handelsblatt. Gleichzeitig ist auch Wahrheit: Jan Ullrich ist der prominenteste deutsche Dopingfall im Radsport.

Dennoch spürt auch Eurosport die gestiegene Aufmerksamkeit. „Wir stellen ein gleiches Interesse beim Start der Tour de France in Düsseldorf wie ein Jahr zuvor im normannischen Mont-Saint-Michel“, heißt es dort. Den Auftakt sahen beim Einzelzeitfahren im Schnitt 280.000 Zuschauer, in der Spitze sogar 430.000. Der Marktanteil für die Liveübertragung lag an diesem Tag bei 1,9 Prozent. Die Etappe am Sonntag von Düsseldorf nach Lüttich sahen 210 000 Zuschauer. Das entspricht einer Zuschauerquote von 1,3 Prozent. Das ist fast das Doppelte des üblichen Quotenschnitts.

Der neue Vertrag, den Eurosport für die Tour de France abgeschlossen hat, gilt noch bis 2019 und umfasst 54 Länder. Zu Rechtekosten macht das Unternehmen keine Angaben. Eurosport gehört vollständig dem amerikanischen Medienkonzerns Discovery, an dem der Medienmogul John Malone (Unitymedia) beteiligt ist. Der Sender mit Hauptsitz in Paris zeigt die Tour bereits seit dem Jahr 1991.

Die 104. Tour der France endet am 23. Juli auf dem Pariser Champs Èlysées, und sie ist ein Highlight für die ARD. Das erklärt das ausgebaute Programmangebot. Das Erste profitiert davon, dass die strapaziöse Tour in diesem Jahr in Düsseldorf gestartet ist. Das sorgt für eine maximale Aufmerksamkeit nicht nur im bevölkerungsreichsten Bundesland, sondern in ganz Deutschland. Innerhalb der ARD zeichnet sich der Saarländische Rundfunk mit seinem Intendanten Thomas Kleist verantwortlich. Hinter den Kulissen gibt es aber immer wieder Gerangel mit der ARD-Programmdirektion. Kleist will dafür sorgen, dass das Geld der Gebührenzahler „sparsam und effektiv“ eingesetzt wird, heißt es beim Saarländischen Rundfunk. In Anbetracht von 38 ARD-Mitarbeitern bei der Tour de France, die rund um die Uhr alle Ausspielwege inklusive der Livestrecken im Fernsehen bedienen, könne man von sparsam und effektiv sprechen, heißt es weiter.

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