Radsport Bahnrennen
Bartko will mit "Prinzip Hoffnung" nach Peking

Bei den Weltmeisterschaften in Manchester will der deutsche Bahnrad-Vierer um Robert Bartko heute seine letzte kleine Chance auf das Olympia-Ticket für Peking nutzen.

Ende aller Olympia-Träume oder doch das "Wunder von Manchester": Wenn der Bahn-Vierer heute (13.00 Uhr MEZ) bei den Weltmeisterschaften im Velodrome von Manchester auf das Holzoval geht, kämpft das einstige deutsche Aushängeschild um seine letzte kleine Chance auf ein Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Peking. "Es wird schwer, aber nichts ist unmöglich", sagt der dreimalige Einzel-Weltmeister Robert Bartko und klammert sich an das Prinzip Hoffnung.

Vielmehr als die Hoffnung auf ein Happyend nach einer verkorksten Saison bleibt dem Vierer in der Tat nicht, denn die Chancen auf das Olympia-Ticket sind minimal. Nur der WM-Titel würde Bartko (Potsdam), Henning Bommel (Berlin), Daniel Becke und Patrick Gretsch (beide Erfurt) die Fahrkarte nach Peking garantieren. Bei allen anderen Platzierungen wären die Deutschen auf Patzer der Konkurrenten Frankreich oder Russland angewiesen.

Bartko: "Die Probleme liegen doch schon tiefgehender"

Ein Olympia-K.o. wäre für den deutschen Bahnradsport ein Desaster. Seit 1952 ist stets ein deutscher Vierer bei Olympischen Spielen an den Start gegangen. Dabei sprangen fünf Olympiasiege heraus. Zuletzt 2000 in Sydney, übrigens mit Bartko und Becke. Damals durchbrach der deutsche Vierer sogar beim Fabel-Weltrekord die Vier-Minuten-Schallmauer. In diesen Tagen wäre Bundestrainer Uwe Freese schon über eine Zeit von 4:05 Minuten glücklich.

Die missliche Lage haben sich die deutschen Verfolger bei den Weltcups selbst eingebrockt. Während Bahn-Exoten wie etwa Kolumbien fleißig Punkte sammelten, fuhren die deutschen Asse nur hinterher, wenn sie denn überhaupt fuhren. So durfte sich Bartko per Ausnahmegenehmigung auf die lukrativen Sechstagerennen konzentrieren. "Da machen es sich einige zu einfach. Die Probleme liegen doch schon tiefgehender", rechtfertigt sich Bartko.

Dass Bartko nicht das alleinige Problem ist, zeigen die Ergebnisse. So ist der Vierer bei den Weltcups mit dem Potsdamer auch nicht sonderlich schneller gefahren. Diverse Krankheiten, sowie das überraschende Karriereende von Guido Fulst waren weitere Faktoren. "Wir haben seit 2003 nicht mehr den Anschluss geschafft. Vielleicht reicht es einfach nicht mehr", rätselt Burckhard Bremer als Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) über das Leistungsvermögen von Bartko oder Becke und kündigt Änderungen an: "Es wird einen Umbruch geben. Wir kommen nicht umhin, neue Strukturen zu schaffen."

Bremer: "Nach der WM können wir alles analysieren"

Wenn von neuen Strukturen die Rede ist, schaut Bremer neidisch nach Manchester. Die Briten haben in einem zentralisierten System ihre Spitzenfahrer zusammengezogen und räumen seit Jahren bei den Titelkämpfen die Medaillen ab. In Deutschland trainieren die Athleten dagegen an ihren jeweiligen Stützpunkten mit ihren Heimtrainern.

Doch dieses Thema ist für Bremer noch Zukunftsmusik: "Nach der WM können wir alles analysieren, aber jetzt sollten wir uns auf das eine Ziel konzentrieren und unsere minimale Chance nutzen. Abgerechnet wird auf der Ziellinie."

© SID

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