Radsport Deutschland-Tour
Deutschland-Tour startet heute in Düsseldorf

Heute beginnt die Deutschland-Tour in Düsseldorf. Doch die negativen Schlagzeilen der vergangenen Wochen werfen auch auf die 30. Auflage der wichtigsten deutschen Rundfahrt ihre Schatten.

Wenn heute in Düsseldorf der Startschuss zur 30. Deutschland-Tour (1. bis 9. August) fällt, ist der Radsport von der Normalität meilenweit entfernt. Nach den jüngsten Dopingskandalen bis hin zur positiven A-Probe von Tour-de-France-Sieger Floyd Landis kämpfen die verbliebenen Fahrer um das Image einer ganzen Sportart, womöglich auch um die Zukunft der erst vor sieben Jahren wieder ins Leben gerufenen Deutschland-Rundfahrt. "Alles steht nun auf dem Prüfstand", weiß Topsprinter Erik Zabel um die Bedeutung von sportlichen Positiv-Schlagzeilen.

Ein weiterer Dopingfall könnte für die Deutschland-Tour verheerende Folgen haben. Der TV-Sender ARD hat sich die Option offen gehalten, bei einem weiteren Zwischenfall aus der Übertragung auszusteigen. Fehlende Fernseh-Präsenz wäre gleichbedeutend mit dem Wegfall von Sponsoren.

Scharping sieht Deutschland-Tour "nicht akut gefährdet"

Rudolf Scharping als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) sieht die Rundfahrt trotz der aktuellen Fälle derzeit nicht "akut gefährdet" und glaubt daran, dass auch in der Ära nach Jan Ullrich sportlich der deutsche Radsport konkurrenzfähig sein wird. Welche Auswirkungen die Schockwelle auf die Begeisterung bei den deutschen Fans hat, müssen die nächsten Tage zeigen.

Fraglich bleibt auch, ob das T-Mobile-Team angesichts der Führungskrise - der Konzern kündigte zum 31. Oktober die Zusammenarbeit mit Teamchef Olaf Ludwig - auf den 1 390,5km von Düsseldorf nach Karlsruhe wieder sportliche Schlagzeilen schreiben kann. Bei den Cyclassics in Hamburg traten die Magenta-Fahrer jedenfalls nicht in Erscheinung.

Die Verantwortung trägt vorerst weiter Ludwig, der in den kommenden Wochen aber in erster Linie die Modalitäten für den Übergang zum designierten neuen Teamchef Bob Stapleton klären muss. Auch der Sporttechnische Direktor Mario Kummer, über den sich die Fahrer am Rande der Tour ebenso beschwert hatten, dürfte bei T-Mobile kaum mehr eine Zukunft haben. Sportlicher Leiter soll zukünftig Ex-Profi Rolf Aldag werden.

Ein schwieriges Unterfangen also für T-Mobile, zumal der Tour-Dritte Andreas Klöden aufgrund der letzten Strapazen auf einen Start verzichtete. So ruhen die Hoffnungen beim Bonner Team auf dem früheren Gesamtsieger Patrik Sinkewitz (2004). Deutlich besser aufgestellt scheint das Team Gerolsteiner zu sein. Insbesondere der Amerikaner Levi Leipheimer will seinen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen und sich für das schwache Abschneiden (Platz 13) bei der Tour de France rehabilitieren. "Wir wollen den Titel verteidigen", sagte Teamchef Hans Michael Holczer und schickt neben Leipheimer auch den österreichischen Rundfahrt-Spezialisten Georg Totschnig ins Rennen.

Leipheimer und Winokurow die Favoriten

Vom Papier her gehört Leipheimer zum Favoritenkreis, zumal die Topstars in diesem Jahr einen Bogen um die Deutschland-Tour machen. So dürfte am ehesten noch Alexander Winokurow, dessen Astana-Team nach dem Tour-Ausschluss wieder antreten darf, ein Wort mitreden. Der Kasache hatte die Deutschland-Tour schon 2001, damals noch in Diensten von Telekom, für sich entschieden.

Auch bei den Sprintentscheidungen werden die deutschen Radsport-Fans die großen ausländischen Namen vergeblich suchen. Weder Robbie Mcewen noch Weltmeister Tom Boonen oder Hamburg-Gewinner Oscar Freire sind am Start. So darf sich Zabel berechtigte Hoffnungen auf Tagessiege machen. "Für unser Team sind Erfolge in der Heimat besonders wichtig, gerade in diesen Zeiten", sagt der Milram-Kapitän.

Auch wenn die Stars fehlen, so hat die neuntägige Rundfahrt durchaus ihren Reiz. Von Düsseldorf geht es über Bielefeld nach Goslar und dann recht zügig Richtung Alpen. Dort warten am Sonntag und Montag in Seefeld und St. Anton zwei Bergankünfte auf die Fahrer. Die endgültige Entscheidung über den Gesamtsieger dürfte dann im Einzelzeitfahren am Dienstag in Bad Säckingen fallen.

© SID

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