Radsport Deutschland-Tour
Deutschland-Tour startet ins Ungewisse

Im Schatten der jüngsten Radsport-Skandale beginnt heute in Saarbrücken die neunte Auflage der Deutschland-Tour. Ein Anti-Doping-Programm mit effizienteren Kontrollen soll das Event vor Negativschlagzeilen bewahren.

Vor dem Hintergrund zahlreicher Dopingskandale im Radsport startet die Deutschland-Tour heute mit ungewissem Ausgang in ihre neunte Auflage. Das größte alljährliche Radsport-Ereignis in Deutschland steht vor einer harten Bewährungsprobe, wenn in Saarbrücken der Startschuss fällt. Die ARD hat eine TV-Übertragung von strikten Auflagen abhängig gemacht und sich einen sofortigen Ausstieg bei Nichteinhaltung der Bedingungen vorbehalten.

Namhafte Profis bleiben der D-Tour fern

Offen ist auch, wie die Hauptgeldgeber auf einen weiteren Dopingfall reagieren würden, und ein großes Fragezeichen steht nicht zuletzt hinter dem sportlichen Wert der neuntägigen Rundfahrt. Machen doch in diesem Jahr einige Stars einen großen Bogen um die Deutschland-Tour.

Da passt es ins Bild, dass T-Mobile unmittelbar vor Beginn der Rundfahrt seine Entscheidung bekanntgab, dass der bis 2010 laufende Vertrag mit dem Radrennstall erfüllt werden soll - allerdings unter strikten Bedingungen. Der Bonner Konzern, der sich auch finanziell bei der Deutschland-Tour engagiert, behält sich das Recht vor, bei einem weiteren Dopingfall sofort aus dem Sponsoring auszusteigen.

So wird zwangsläufig vom Start weg die Doping-Problematik im Mittelpunkt stehen. Eine Rundfahrt der Skandale, wie jüngst bei der Tour de France geschehen, soll es und darf es jedenfalls nicht geben - ansonsten wäre das Aus des 1999 wieder ins Leben gerufenen Rennens wohl besiegelt. Dafür mussten die Veranstalter dem Fernsehen ein striktes Anti-Doping-Programm zusichern. Mehr und vor allem effizientere Kontrollen, zudem bei Kontrollen keine Schlupflöcher mehr für die Fahrer. Nach der Zieldurchfahrt werden sie bis zur Abgabe der Dopingprobe von einem Kontrolleur begleitet. Die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada führt die Maßnahmen durch.

Ein Problem hat sich derweil für die Organisatoren schon im Vorfeld erledigt. Das Team Astana um Andreas Klöden hat sich selbst eine Rennpause bis Ende August auferlegt. Die kasachische Mannschaft war im Zuge des Tour-Dopingskandals um Alexander Winokurow bei der Deutschland-Tour nicht erwünscht, wenngleich ein Ausschluss rechtlich schwer gewesen wäre.

Anders dagegen Vorjahressieger Jens Voigt, einer der Publikumslieblinge, der die scharfen Maßnahmen begrüßt. "Wir wollen doch alle einen sauberen Sport", sagt der Berliner, der bei seinem Triumph im Vorjahr gleich drei Etappen gewann. Voigt klagt allerdings über einen Generalverdacht im Radsport: "Fahre ich schnell, dann heißt es: Der ist gedopt. Fahre ich langsam, dann habe ich nicht gedopt."

Mit einer starken Mannschaft geht Voigts CSC-Team an den Start, unter anderem steht Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara (Schweiz) im Aufgebot. So will sich der Berliner gleich im Mannschaftszeitfahren am Samstag in Bretten - das erste in der Deutschland-Tour-Geschichte - ein Polster auf seine Rivalen herausfahren.

Gerdemann: "Rechne mir einiges aus"

Einer dieser Rivalen könnte Linus Gerdemann vom T-Mobile-Team sein. "Ich bin gut aus der Tour herausgekommen und rechne mir einiges aus", sagt der Youngster, der in Frankreich durch seinen Etappensieg in Le Grand Bornand einen Tag im Gelben Trikot gefahren war. Sportdirektor Rolf Aldag will den 24-Jährigen aber nicht unter Druck setzen: "Ob die Form auf dem Rettenbachferner reicht, wird man sehen."

2 670 Meter hoch liegt das Dach der Tour in Sölden, die fünfte Etappe könnte damit eine Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg bringen. Wer dafür überhaupt in Frage kommt, ist offen. Toursieger Alberto Contador oder der Zweite Cadel Evans verzichten auf einen Start, auch Sprintstars wie Tom Boonen oder Robbie Mcewen fehlen in der Starterliste.

Zum Erfolg verdammt ist das Team Gerolsteiner. Die Deutschland-Tour ist für die Mannschaft von Teamchef Hans-Michael Holczer quasi die letzte Möglichkeit, sich auf der Radsport-Bühne zu präsentieren, bevor der Sponsor über ein weiteres Engagement über 2007 hinaus entscheidet. Für Gerolsteiner geht der Italiener Davide Rebellin als Kapitän an den Start.

© SID

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