Radsport Doping
Aldag verlangt umfassende Aufklärung

Nachdem die Verwicklung von Jan Ullrich in das spanische Doping-Netzwerk nachgewiesen ist, hofft T-Mobile auf eine umfassende Aufklärung. "Die gesamte Liste muss abgearbeitet werden", fordert Sportdirektor Rolf Aldag.

Einen Tag nachdem sich die Verwicklung von Jan Ullrich in das spanische Doping-Netzwerk bestätigt hat, fordert der Sportdirektor des T-Mobile-Teams, Rolf Aldag, eine umfassende Aufklärung. "Er gehört nicht allein auf die Strafbank. Sein Name ist nur einer von 51 auf der Liste der Operacion Puerto. Die gesamte Liste muss abgearbeitet werden", verlangte Aldag im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). "Spätestens jetzt müssen alle Farbe bekennen."

Der Bonner Rennstall fordert sofortige DNA-Tests von allen anderen 50 Verdächtigen, an vorderster Front von Italiens Girosieger Ivan Basso, der vom nationalen Radverband aus Mangel an Beweisen freigesprochen und vom früheren Armstrong-Team Discovery Channel mit offenen Armen aufgenommen worden war. Der Druck müsse von allen Seiten kommen: "Vom Weltverband UCI, den Veranstaltern, der Wada und den Staatsanwaltschaften."

Die US-Truppe war dem Ausschluss aus der Organisation der Protour-Teams nur mit 8:7 Stimmen entgangen, gegen das Votum beider deutschen Rennställe. Durch die Entwicklung im Fall Ullrich hat sich für Aldag die Lage zugespitzt: "Es hat sich gezeigt, dass die spanischen Dokumente Hand und Fuß haben. Und gegen die anderen 50 gibt es ähnlich starke Indizien wie gegen Ullrich." Alles andere als DNA-Tests von allen sei nicht länger zu akzeptieren.

T-Mobile unterbreitet Vorschlag

"Das ist unser entschiedener Appell an ihre Mannschaften", bekräftigt der Ex-Profi. T-Mobile werde ihn schon am Wochenende bei der Flandern-Rundfahrt auf den Tisch bringen, wo die Protour-Teams zusammentreffen: "Die Telefone laufen bereits heiß." Allerdings sind nur sechs der 51 Fahrer bei Top-Teams untergekommen.

Einen Boykott lehnt T-Mobile deshalb ab, falls man erneut keine Mehrheit findet. Er wäre laut Aldag "das falsche Signal" und würde einer Kapitulation gleichkommen: "Wir dürfen nicht uns selbst und alle anderen schwächen, die für einen sauberen Sport kämpfen, indem wir uns zurückziehen."

Als erste Mannschaft haben die Bonner auf der Suche nach einem "möglichst wasserdichten System" auch Blutvolumen-Tests eingeführt, die seit Oktober viermal durchgeführt wurden. Aldag: "Das ist nicht immer bequem, weil es die Vorbereitung unterbricht, aber jeder weiß, dass es unbedingt notwendig ist. Es nicht hilft, hinterher geschockt zu sein." Betrug müsse bereits intern im Team aufgedeckt werden.

Vertrauen reicht nicht

Der Fall Ullrich zeige einmal mehr, "dass Vertrauen nicht reicht", sagte sein langjähriger Teamgefährte und bekennt: "Letzte Zweifel gab es bei mir immer noch, aber sie haben sich in Luft aufgelöst. Ich kann mir auch nur noch schwer vorstellen, dass die Blutkonserven nicht zu Zwecken der Manipulation deponiert wurden."

Überhaupt keine Zweifel daran gibt es für den Dopingexperten Werner Franke. Dem Heidelberger Molekularbiologen war noch vor wenigen Wochen vom Hamburger Landgericht die Behauptung verboten worden, Ullrich habe mindestens 35 000 Euro an Dopingarzt Eufemio Fuentes gezahlt: "Inzwischen weiß ich, dass es laut Akten sogar 120 000 Euro gewesen sein sollen."

In der nächsten Runde werde er mit Zeugen antreten: "Man rennt mit der Wahrheit eben lange gegen eine Mauer." Ullrich selbst ist für ihn nur ein Verführter, sein Zorn richtet sich vor allem gegen die "kriminelle Kleinindustrie der Dopingszene bis hin zu Medizinern ohne jede Ethik." Durch sie würden junge Menschen zu Schaden und sogar zu Tode kommen: "Und das Traurigste dabei ist, dass dies alles unserer zynischen Gesellschaft am A... vorbei geht."

Einschalten in die Ermittlungen um Ullrich will sich jetzt auch der Sportausschuss des Deutschen Bundestages. Laut der Süddeutschen Zeitung (Donnerstags-Ausgabe) strebt der Ausschuss nach Angabe seines Vorsitzenden Peter Danckert (SPD) für Mai eine Anhörung "aller in den Fall Ullrich involvierten Ärzte" und Funktionäre sowie des Betroffenen selbst an.

© SID

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