Radsport Doping
Anti-Doping-Katalog tritt 2007 in Kraft

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat den geplanten Anti-Doping-Katalog verabschiedet. Ab 2007 soll demnach für jeden Profi ein eigenes Blutbild erstellt werden, zusätzlich werden die Kontrollen verschärft.

Die Ära "nach Ullrich" hat im deutschen Radsport begonnen. Wer für deutsche Profiteams in die Pedale treten oder für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) internationale Meriten einfahren will, muss sich ab sofort einem engmaschigen, dauerhaften Kontrollnetz unterziehen.

Im Zentrum des Maßnahmepaketes, das vom BDR-Präsidium am Donnerstag in Frankfurt am Main einstimmig beschlossen wurde, stehen deutlich mehr und bessere Trainingskontrollen bis hin zur Erstellung von persönlichen Blutprofilen der Athleten. Von der Idee einer eigenständigen DNA-Datenbank hat der BDR allerdings Abstand genommen.

Keine eigenständige DNA-Datenbank

"Dieses Kontrollsystem ist eindeutig und scharf. Wer sich diesen Regeln nicht unterwirft, wird bei keiner internationalen Meisterschaft mehr für Deutschland antreten, der gehört keiner deutschen Nationalmannschaft an", erklärte BDR-Präsident Rudolf Scharping. "Die Glaubwürdigkeit des Radsports hängt daran, dass wir diese Maßnahme konsequent umsetzen und dass sie Wirkung zeigen. Wenn wir nicht tun, was wir jetzt beschlossen haben, dann könnten sich für den Radsport schwere Schäden einstellen."

Individuelle Blut-Profile über einen längeren Zeitraum hiweg sollen ab 2007 für alle rund 260 Kader-Athleten in sämtlichen radsportlichen Disziplinen angelegt werden. Dasselbe soll für die lizenzierten Rennfahrer in deutschen Profiteams wie T-Mobile-Team oder Gerolsteiner, für die deutschen Profis in ausländischen Diensten und darüber hinaus auch für Nachwuchsfahrer gelten.

Gespräche über die Finanzierung

Am 7. September wird es bei der nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) ein Gespräch über das medizinische Prozedere wie über die Finanzierung des bisher einmaligen Vorgangs geben. Darin eingeschlossen sind auch Blutvolumen-Kontrollen, um Hinweise auf eventuelle Eigenblut-Manipulationen zu bekommen.

"Wir haben Zusagen von den Teams, von Sponsoren und von den Rennveranstaltern, die Geld bereitstellen wollen, um die Laborkapazitäten zu vergrößern. Wir wollen für diese Untersuchungen keine Teamärzte haben, sondern eine unabhängige medizinische Instanz", sagte Scharping und wies auf praktische Konsequenzen der Datenbank hin. Sollte es zu "Unnormlitäten" der dann zum Vergleich vorliegenden Blutanalysen kommen, werde man sich vorbehalten, die betreffenden Athleten von Verbandsseite aus "kurz und wirksam zu sperren", auch wenn es noch gar keinen positiven Doping-Befund gegeben habe.

Scharping fordert lebenslange Sperre im Wiederholungsfall

Generell plädierte Scharping dafür, bei "Erstsündern" die Sperre von zwei auf vier Jahre zu erhöhen. Im Wiederholungsfalle sollten dem früheren Bundesverteidigungsminister zufolge lebenslange Sperren ausgesprochen werden.

Schon beim Rennen "Rund um die Nürnberger Altstadt" am 11. September soll erstmals ein Funktionär - wie bei Olympischen Spielen üblich - den Fahrern vom Ziel bis zur Dopingkontrolle als "Begleitschutz" zur Seite gestellt werden. Teil des Maßnahmepakets ist zudem, dass sich die Profis wie ihre Teams im Lizenzierungsverfahren durch Selbstverpflichtung mit dem strengeren Kontrollsystem einverstanden erklären.

"Der Radsport steht zu sehr im öffentlichen Interesse, als dass wir uns zurücklehnen könnten. Was uns möglich ist, wollen wir tun", unterstrich der BDR-Präsident, bei dem "die Enttäuschung über Jan Ullrich persönlich nach wie vor sehr tief sitzt".

Damit das härtere Vorgehen nicht nur auf BDR-Hoheitsgebiet beschränkt bleibt, will Scharping die europäischen Radsportverbände bei ihrem Treffen am 2. September in Mailand animieren, sich den BDR-Maßnahmen anzuschließen. Offiziell muss der vom BDR-Präsidium verabschiedete Katalog noch der Hauptausschuss billigen. Dieses Gremium tritt das nächste Mal im November zusammen.

© SID

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