Radsport Doping
Armstrong-Comeback löst keine Begeisterung aus

Das angekündigte Comeback von Lance Armstrong ruft viele Kritiker auf den Plan. Die ARD überdenkt nun einen vollständigen Ausstieg aus der Berichterstattung zur Tour de France.

Als "gläserner Athlet" will Lance Armstrong auf die große Radsport-Bühne zurückkehren, doch die Anti-Doping-Experten trauen dem Texaner nicht über den Weg. "Das ist eine reine Show-Aussage von ihm", sagte Chefaufklärer Werner Franke dem sid und fuhr schweres Geschütz gegen den siebenmaligen Toursieger auf: "Es gibt sechs positive Befunde von ihm. In jeder anderen Sportart wäre er gesperrt worden. Für mich ist er positiv. Er hat sich der Strafe entzogen."

Ähnlich wie bei Franke hat die große Comeback-Show von Armstrong an der Seite des früheren US-Präsidenten Bill Clinton vielerorts alles andere als Freudentänze nach sich gezogen. Die ARD zeigte sich jedenfalls "not amused" und könnte als Folge des Armstrong-Comebacks möglicherweise komplett aus der Tour-Berichterstattung aussteigen.

ARD legt keinen großen Wert auf Armstrong-Rückkehr

"Wir legen keinen großen Wert auf seine Rückkehr. Er ist ein Sportler der alten Zeit des Radsports. Wir hoffen, dass sich die Situation noch anders darstellen wird als es momentan aussieht", sagte ARD-Pressesprecher Peter Meyer dem sid. Inwieweit die angekündigte Rückkehr Armstrongs Einfluss auf die Entscheidung der Intendanten hinsichtlich einer möglichen Fortführung der Tour-Berichterstattung hat, ließ Meyer offen.

"Ich kann mir vorstellen, dass es mit in die Entscheidung einfließt", sagte Meyer: "Wir warten ab, wie sich die ASO (Tour-Veranstalter, d.Red.) bei diesem Thema positionieren wird." In dem Punkt sollte sich der Sender aber keine großen Hoffnungen machen. Tour-Chef Christian Prudhomme sieht jedenfalls keine Hindernisse, "wenn er sich dem Anti-Doping-Reglement wie jeder andere Fahrer unterwirft".

Dass Armstrong die Doping-Richtlinien einst mit Füßen getreten hat, deutete Dick Pound, der frühere Chef der Welt-Antidoping-Agentur (Wada), an: "Wenn Armstrong denkt, dass sich durch seine Rückkehr alle dunklen Wolken verziehen, so wird er dennoch den gleichen Fragen wie damals begegnen. Die Fragezeichen sind immer noch da, sein Comeback wirft mindestens so viele Fragen auf wie es beantwortet", sagte der Kanadier: "Er muss immer noch erklären, warum sechs seiner Proben positiv auf Epo getestet werden konnten."

Kurz nach Armstrongs Rücktritt hatte die französische Sportzeitung L"Equipe dem Amerikaner damals unter Berufung auf die Auswertung tiefgefrorener Proben von 1999 Epo-Doping vorgeworfen. Eine Untersuchungskommission des Weltverbandes UCI wies diese Anschuldigungen trotz des Vetos der Wada als haltlos zurück. Die Risse am Denkmal Armstrong waren damit aber kaum zu kitten.

"Dietatsache, dass ein Wissenschaftler X sagen würde, Lance sei sauber, bedeutet nichts"

Dass Armstrong mit dem US-Antidoping-Experten Don Catlin "das fortschrittlichste Kontrollsystem" zum Nachweis regulär erbrachter Leistungen nutzen will, ist für Pound nicht mehr als eine große PR-Nummer: "So lange die Kontrollen nicht in einem offiziell akkreditierten Labor des Internationalen Olympischen Komitees oder der Wada analysiert werden, beweisen die angekündigten Tests nur wenig. Die einfache Tatsache, dass ein Wissenschaftler X sagen würde, Lance sei sauber, bedeutet nichts", sagte Pound.

Für Franke ist dies ohnehin nicht realisierbar. Catlin dürfe als Leiter des Wada-Labors in Los Angeles überhaupt nicht mit Armstrong zusammenarbeiten, erklärte der Molekularbiologe aus Heidelberg und prophezeit dem Radsport weiteren Schaden: "Die UCI ist ein mafiöser Klub. Es hat sich nachweislich nichts geändert. Der Ruf des Radsports ist noch weiter in den Keller gegangen."

Da passt es fast schon ins Bild, dass ein freudestrahlender UCI-Chef Pat Mcquaid dem Texaner quasi den roten Teppich ausrollt: "Ich sage allen Skeptikern: Gebt ihm eine Chance. Ich glaube jedenfalls nicht, dass er ein Betrüger ist."

Contador auch nicht begeistert über das Comeback

Alberto Contador, nicht weniger dopingverdächtig als Armstrong, ist aus anderen Gründen wenig erfreut über das Comeback des früheren Weltmeisters in seinem Astana-Team. Er habe nichts gegen Armstrong, aber wenn man ihm Steine in den Weg lege, dann werde er sich anderweitig umschauen, sagte der Spanier den heimischen Medien. "Angebote gibt es jedenfalls genug", erklärte der 25-jährige Contador, der am vergangenen Sonntag als jüngster Radsportler überhaupt das Triple aus Tour-, Giro- und Vuelta-Sieg geschafft hatte.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%