Radsport Doping
Astana-Profi Kessler positiv getestet

Astana-Profi Matthias Kessler ist bei einer Dopingprobe am 24. April positiv auf Testosteron getestet worden. Das gab sein Rennstall am Mittwoch bekannt.

Der Radrennstall Team Astana hat den deutschen Profi Matthias Kessler aufgrund einer positiven Dopingprobe vorübergehend suspendiert. Der Franke wurde am 24. April positiv auf Testosteron getestet. Das gab sein Rennstall am Mittwoch bekannt. Die Suspendierung gilt zunächst bis zum Ergebnis der B-Probe.

Die Probe wurde bei Kessler, der bis 2006 für das T-Mobile-Team gefahren war, einen Tag vor dem Fleche Wallonne entnommen. Bei dem Halbklassiker hatte der 28-Jährige den vierten Platz belegt. Kessler war bei Astana als Edelhelfer für Andreas Klöden oder Alexander Winokurow bei der Tour de France fest eingeplant.

Kessler beteuert seine Unschuld

"Ich kann mir das Ergebnis nicht erklären. Ich fordere umgehend eine Gegenanalyse", sagte Kessler. "Ich bin zutiefst bestürzt. Weiter will ich diesen Fall nicht kommentieren", reagierte Gerolsteiner-Teamchef Hans Michael Holczer auf die Nachricht. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) handelte prompt und strich Kessler von der Starterliste für die Deutschen Meisterschaften am Sonntag in Wiesbaden. Laut überarbeiteten BDR-Statuten werden auch des Dopings verdächtigte Fahrer nicht mehr zu Rennen unter BDR-Verantwortung zugelassen.

Der Wahl-Schweizer Kessler zählte seit Jahren zu den besten deutschen Radprofis. Von 2000 bis 2006 fuhr Kessler für das Team Telekom beziehungsweise T-Mobile und nahm während dieser Zeit viermal an der Tour de France teil. Als wichtiger Helfer in den Bergen galt er im Team von Ullrich damals als unverzichtbar. Im vergangenen Jahr verbuchte Kessler bei der Frankreich-Rundfahrt mit seinem Erfolg bei der Etappe nach Valkenburg auf den Cauberg hinauf seinen größten Karrieresieg.

Bei Testosteron kommen Erinnerungen an den Fall Floyd Landis auf. Der Amerikaner wurde bei seinem Toursieg 2006 ebenfalls positiv auf diese Substanz getestet. Derzeit kämpft Landis vor Gericht gegen eine Sperre an. Auch der spanische Kletterkünstler Iban Mayo war beim Giro d'Italia positiv auf Testosteron getestet worden, konnte aber belegen, dass der erhöhte Wert vom Körper produziert wurde.

Weiterer schwerer Schlag für den Radsport

Die positive Probe ist jedenfalls ein weiterer schwerer Schlag für den deutschen Radsport: Die vermutete Verwicklung von Ullrich in den Dopingskandal um Eufemiano Fuentes, die Geständnisse früherer Telekom-Fahrer von Rolf Aldag Dietz bis zu Erik Zabel, die Dopingpraktiken im Amateurlager um Bundestrainer Peter Weibel sowie die jüngsten Vorwürfe gegen BDR-Vizepräsident Udo Sprenger sorgten immer wieder für neue Negativ-Schlagzeilen.

Aber auch das Team Astana gerät nach dem Fall Kessler immer mehr ins Zwielicht. Erst in der vergangenen Woche hatte die Chefin des Antidopingprogramms der UCI, Anne Gripper, indirekt Vorwürfe gegen das in der Schweiz beheimatete kasachische Team erhoben. Sechs bis sieben Fahrer würden als "risikoreich und verdächtig" im Hinblick auf das Verhalten gegenüber Dopingkontrolleuren eingestuft, an ihrer Spitze Kapitän Alexander Winokurow.

Der Vuelta-Sieger soll im Training zum Teil in schwarzer Montur unterwegs gewesen sein, um so den Testern zu entgehen. Winokurow begründete seine Kleidungswahl damit, dass er nicht "ständig 20 Freizeitfahrer am Hinterrad" haben wolle. Kein Profi vom Team Astana hat bislang die von der UCI geforderte Ehrenerklärung im Anti-Doping-Kampf unterschrieben.

© SID

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