Radsport Doping
Blutdoping läuft EPO den Rang ab

EPO ist out, Blutdpoing dagegen derzeit sehr populär. Nach Meinung von Prof. Wilhelm Schänzer, Chef des Kölner IOC-Labors, hat die neue Manipulationsmethode dem mittlerweile nachweisbaren EPO den Rang abgelaufen.

Seit 2001 ist der Missbrauch von EPO nachweisbar, der Radsport aber wird nicht sauber. Das nun auch Jan Ullrich vorgeworfene Blutdoping verdrängt EPO mehr und mehr und wird immer populärer. Der Chef des Kölner IOC-Labors, Prof. Wilhelm Schänzer, der diese These in der ARD vertrat, kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Nationale Antidoping-Agentur Nada. Ullrich selbst schwieg sich auch vier Tage nach seinem Tour-Ausschluss weiter zu einem möglichen DNA-Test aus.

Keine Aufträge trotz technischer Voraussetzungen

Schänzer beklagte, sein Labor erhalte von der Nada keine Aufträge für Bluttests, obwohl man technisch dazu in der Lage sei. Noch immer beschränke man sich auf Urin-Tests. Nada-Geschäftsführer Roland Augustin wies den Vorwurf umgehend zurück: "Was Schänzer sagt, ist irreführend. Es geht in den aktuellen Fällen doch um Eigenblut-Doping, das bisher in keiner Weise nachweisbar ist."

Laut Schänzer zeigt eine Studie des Radsport-Weltverbandes UCI auffällige Veränderungen im Blutbild von zahlreichen Profis. Während 2001 bei keinem Fahrer Auffälligkeiten festgestellt wurden, hatten sich die Parameter 2004 in 40 Fällen eindeutig verändert. Dies deute eindeutig auf einen klaren Trend zum Blutdoping hin.

Die Nada habe durchaus Bluttests durchführen lassen, stellte dazu Augustin klar: "Aber nur in Bereichen, die justiziabel sind, bei Doping mit Fremdblut und Wachstumshormonen." Bei Fremdblutdoping sei als Erster US-Radprofi Tyler Hamilton 2004 überführt worden: "Weil sich dies schnell herumsprach, ist man dann wohl auf Eigenblutdoping umgestiegen."

IOC und Wada müssen ihren Segen geben

Bei Wachstumshormonen sei die vom Berliner Genetiker Christian Strasburger entwickelte Methode noch nicht offiziell anerkannt und nur von wenigen Labors in der Testphase durchzuführen. Nur wenn IOC und Welt-Andidoping-Agentur Wada sie absegneten, könnte die Nada Aufträge vergeben, stellte Augustin klar.

Die UCI-Studie basiere auf Parametern des Blutes: "Sie können zwar Veränderungen belegen und damit Indikatoren für Manipulationen sein, aber letztlich haben sie nur statistischen Wert, weil sie vor Gericht nicht ausreichen."

Bei der Tour hielt die Verwunderung über die Verbindung von drei Fahrern des T-Mobile-Teams zum dubiosen italienischen Arzt Michele Ferrari an. "Es ist mir ein bisschen unverständlich, dass ein junger deutscher Fahrer wie Patrik Sinkewitz sich ausgerechnet nach Italien begibt", sagte Ex-Profi und ARD-Kommentator Marcel Wüst.

Immerhin wird der Bonner Rennstall durch die Mediziner der Uni-Klinik Freiburg betreut, eine Anstalt von erstklassigem Ruf. Der gehört auch Mannschaftsarzt Dr. Lothar Heinrich an, der sich die Ausflüge der Fahrer Richtung Süden nur so erklären kann: "Man denkt immer, der andere fährt den besseren Wagen."

Deutschland reich an Trainings-Methodikern

Auch an international anerkannten Trainings-Methodikern mangelt es in Deutschland nicht. Zu ihnen zählen Ullrichs langjähriger Heimtrainer Peter Becker, der von T-Mobile eigens für diesen Bereich engagierte Cottbuser Heiko Salzwedel oder Trainer Thomas Schediwie, der Heimtrainer von Andreas Klöden und Steffen Wesemann ist. Ullrich selbst aber hatte sich dem Italiener Luigi Cecchini anvertraut, "weil der die besten Trainingspläne schreibt".

Becker reagierte auf solche Äußerungen sauer: "Mit meinen Trainingsplänen ist Jan immerhin 1993 Amateur-Weltmeister und 1997 Toursieger geworden und hat 2000 olympisches Gold geholt."

© SID

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