Radsport Doping: Contador droht Sperre von einem Jahr

Radsport Doping
Contador droht Sperre von einem Jahr

Im Fall Contador hat der spanische Radsportverband entschieden, den dreimaligen Tour-Sieger wegen Dopings für ein Jahr zu sperren. Nach seiner Ansicht kann dem Spanier keine Absicht nachgewiesen werden. Großer Verlierer des Spruches ist neben dem spanischen Sportidol Contador vor allem dessen neuer Teamchef Bjarne Riis.
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MadridDem spanischen Radprofi Alberto Contador droht wegen Dopings nicht nur eine Aberkennung des Tour-de-France-Siegs im vorigen Jahr, sondern auch eine Sperre für die kommende Frankreich-Rundfahrt. Der spanischen Radsportverband (RFEC) sprach sich in einer vorläufigen Entscheidung dafür aus, dem dreimaligen Tour-Gewinner ein einjähriges Startverbot zu erteilen. Contador hat nun eine Frist von zehn Tagen, um gegen den Beschluss Einspruch einzulegen. Danach fällt der Verband sein definitives Urteil. Dieses wird für Mitte Februar erwartet.

Der 28-jährige Madrilene war am zweiten Ruhetag der letztjährigen Tour de France in Pau positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden. Das Anti-Doping-Labor in Köln hatte den Beweis erbracht. Contador führte den Befund auf den Genuss eines verunreinigten Steaks zurück und bestreitet jedes Doping.

Die Madrider Zeitung „El Mundo“ bescheinigte dem Verband eine „salomonische Entscheidung“. „Contador ist ein bisschen schuldig und ein bisschen unschuldig“, schrieb das Blatt am Donnerstag. Wie aus Verbandskreisen verlautete, ging der RFEC davon aus, dass man Contador aufgrund der minimalen Menge von Clenbuterol kein absichtliches Doping nachweisen könne. Deshalb plädierte der Verband dafür, die sonst übliche Sperre von zwei Jahren bei Dopingfällen auf die Hälfte zu verkürzen.

Der Weltradsportverband (UCI) lehnte eine Stellungnahme ab. „Es ist festzuhalten, dass es lediglich eine „vorläufige Entscheidung' des spanischen Verbandes zum Fall Contador gibt“, sagte der UCI-Sprecher Enrico Carpani. „Ein endgültiges Urteil des Verbandes wird uns noch zugehen und darauf warten wir, bevor wir uns äußern. Nach Eingang des offiziellen Urteils haben wir einen Monat Zeit zu prüfen, ob wir vor den (internationalen Sportgerichtshof) CAS gehen.“ Bisher hatte es bei großen Rundfahrten an der Spitze des Gesamtklassements nach Doping-Überführungen drei Fahrer erwischt: 2005 musste Roberto Heras seinen Vuelta-Sieg am Grünen Tisch an Denis Mentschow (Russland) weitergeben; 2006 wurde Floyd Landis bei der Tour disqualifiziert (Sieger: Oscar Pereiro/Spanien); und Danilo di Luco verlor 2009 seinen zweiten Platz beim Giro. Wenn Contador infolge einer Sperre sein Gelbes Trikot von 2010 verlöre, würde der bisher Zweitplatzierte Andy Schleck (Luxemburg) zum Tour-Sieger erklärt.

Der Spanier trainiert derzeit mit seinem neuen Team Saxo Bank auf der Ferieninsel Mallorca und bereitet sich dort auf die neue Saison vor. Es gilt als sicher, dass das Verfahren auch nach der endgültigen Entscheidung des RFEC sich noch längere Zeit hinziehen wird. Man geht davon aus, dass die Angelegenheit aller Wahrscheinlichkeit nach vor dem internationalen Sportgericht CAS enden wird. Contador hatte bereits angekündigt, eine Sperre auf jeden Fall vor dem CAS anfechten zu lassen. Auf der anderen Seite wollen der Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vor das Sportgericht ziehen, wenn die Strafe nach ihrer Ansicht zu milde ausfällt.

Großer Verlierer des Spruches des spanischen Verbandes ist neben dem spanischen Sportidol Contador vor allem dessen neuer Teamchef Bjarne Riis. Der dänische Toursieger von 1996, der elf Jahre nach seinem Sieg in Paris auch Doping gestand, hatte zusammen mit seinem neuen Sponsor Sun Guard alles auf den prominenten Neueinkauf Contador ausgerichtet. Ohne sein Zugpferd für 2011 steht Riis jetzt mit nahezu leeren Händen da. Er dürfte fieberhaft auf der Suche nach einem halbwegs respektablen Ersatz sein. Erste Erklärungsversuche soll es am Freitag auf einer Pressekonferenz auf Mallorca geben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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