Radsport Doping
d´Hont wirft Telekom systematisches Doping vor

Der frühere Telekom-Masseur Jeff d´Hont wirft in seinem erscheinenden Buch dem deutschen Team systematisches Doping vor. Die Beschuldigten planen eine lückenlose Aufklärung der Behauptungen.

Nach den schweren Doping-Anschuldigungen gegen Jan Ullrich und die Tour-Mannschaft von 1996 hat das T-Mobile-Team eine lückenlose Aufklärung angekündigt - und stellt dabei sogar das Freiburger Ärzteteam um Lothar Heinrich auf den Prüfstand. "Das sind massive Beschuldigungen. Wir schauen uns die Beweislage genau an. Es geht nicht darum, aus dieser Sache rauszukommen. Es muss Aufklärung betrieben werden. Und wir sind in der Lage, in jede Richtung zu reagieren", sagte Sportdirektor Rolf Aldag beim Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich dem sid hinsichtlich der Vorwürfe gegen den früheren Telekom-Masseurs Jeff d´Hont.

Der Belgier hatte mit Enthüllungen aus seinem Buch, die vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel vorab veröffentlicht wurden, für Aufsehen gesorgt. Systematisches Doping habe bei Telekom quasi stattgefunden. "Der Höhepunkt, den ich miterlebt habe, war 1996, mein letztes Jahr bei Telekom. Wir mussten die Fahrer beim Dopen bremsen", schrieb d´Hont.

d´Hont will Riis und Ullrich beim dopen beobachtet haben

Dabei habe neben Toursieger Bjarne Riis ("Er war randvoll mit Epo") auch Ullrich, der schon im Zuge des spanischen Dopingskandals um Eufemiano Fuentes der Leistungsmanipulation verdächtigt wird, gedopt. D´Hont habe gesehen, wie Ullrich Epo spritzte oder gespritzt wurde, hieß es weiter. Ullrichs Manager Wolfgang Strohband war am Sonntag genauso wie Anwalt Peter-Michael Diestel zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

Der Freiburger Arzt Lothar Heinrich, der auch heute noch Teamarzt bei T-Mobile ist, wollte sich der Öffentlichkeit ebenfalls nicht stellen, wies aber die Vorwürfe via T-Mobile-Presseabteilung scharf zurück. D´Hont wirft Heinrich und dessen Kollege Andreas Schmid vor, das Doping-Programm mitgetragen zu haben.

"Heinrich hat das Epo mitgebracht und auch selber gespritzt und mit den Fahrern gesprochen", behauptet der frühere Radprofi, der nach seinem Engagement bei Telekom selbst als Doping-Beschaffer gearbeitet und im Zuge des Festina-Skandals 1998 von einem französischen Gericht zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war.

T-Mobile-Verantwortliche schenken Vorwürfen keinen Glauben

Für Aldag, der damals zum Team gehörte, ist es "unvorstellbar, dass systematisches Doping stattgefunden hat". Er habe ein reines Gewissen und niemals gedopt. Daran glaubt auch Teamchef Bob Stapleton: "Rolf vertraue ich zu hundert Prozent, und auch die Erfahrungen mit den Medizinern aus Freiburg sind bisher sehr positiv." Stapleton hatte mit Aldag im Zuge des Doping-Skandals um Ullrich das T-Mobile-Team komplett umgekrempelt.

Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, wäre dies auch ein schwerer Schlag für das ehrgeizige Anti-Doping-Programm des Bonner Radrennstalls. Schließlich ist Heinrich beim scharfen Kontrollsystem eng miteingebunden. Einen Schnellschuss werde es nun aber nicht geben. "Das würde unser Programm zerstören. Wir werden uns Zeit nehmen und sehen, welche Informationen wahr sind", kündigte Stapleton an.

Godefroot: "Er braucht wohl Geld"

Einer seiner Vorgänger, der damalige Telekom-Teamchef Walter Godefroot wies die Vorwürfe von d´Hont zurück. "Naja, er schreibt halt ein Buch und braucht wohl Geld. Ich habe jedenfalls die Fahrer nie angewiesen, Dopingmittel zu nehmen", sagte der Belgier, der als Berater beim Astana-Team tätig ist, dem sid. Eine Klage gegen d´Hont werde er nach derzeitigem Stand nicht anstreben, er müsse erstmal dessen Behauptungen genau lesen.

Stapleton empfahl Heinrich, rechtliche Schritte einzuleiten, sollten die Vorwürfe haltlos sein. "Die betroffenen Personen sollten dann eine Klage in Betracht ziehen", so der Amerikaner. Das erwartet auch Aldag, schließlich müsste die Universität Freiburg "massives Interesse daran haben, die Sache aufzuklären".

© SID

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