Radsport Doping
Doping-Ermittlungen in Spanien unterbrochen

Der spanische Radsportverband musste wegen der Rechtslage die Ermittlungen gegen die im Rahmen der "Operacion Puerto" in Verdacht geratenen rund 30 spanischen Profis bis auf Weiteres aussetzen.

Formalrechtliche Konsequenzen haben den Drogenfahndern an vorderster Dopingfront am Wochenende einen herben Rückschlag versetzt. Wegen der Rechtslage auf der iberischen Halbinsel hat der spanische Radsportverband Rfec die Ermittlungen gegen die im Rahmen der "Operacion Puerto" in Verdacht geratenen rund 30 spanischen Profis bis auf Weiteres ausgesetzt. Gleichzeitig musste der Weltverband UCI den als Drahtzieher der Dopingszene geltenden Rennstallchef Manolo Saiz als rechtmäßigen Inhaber der Protour-Lizenz "mit Bedauern" anerkennen.

In Italien erhielt Giro-Sieger Ivan Basso am Freitag "mangels Beweisen" nun auch vom nationalen Radsportverband einen Freischein, was wiederum Jan Ullrich hoffen lässt. Der Tour-de-France-Sieger von 1997 war schon vor Monaten in Spanien als Zeuge geladen, zu den gegen ihn erhobenen Dopingvorwürfen schweigt sich Deutschlands früherer "Sportler des Jahres" aber beharrlich aus.

Gemäß dem am späten Freitagabend veröffentlichten Rfec-Statement können die unmittelbar vor dem Start der Tour de France am 30. Juni von ihren Teams suspendierten Profis aus Spanien nun wieder Rennen fahren. Der spanische Verband betonte, dass den betroffenen Fahrern die Lizenzen nie entzogen worden seien.

Der Rfec gab zu verstehen, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen würden, falls dazu die rechtliche Handhabe vorliege. Über die verfügt der Verband derzeit nicht, da das Untersuchungsmaterial der Polizei ausschließlich für strafrechtliche Gerichtsverfahren zur Verfügung steht. Deren Ergebnis muss der Rfec nun abwarten.

Hintergrund der juristischen Spitzfindigkeiten ist, dass Doping in Spanien keinen Strafbestand erfüllt. Die Behörden ermitteln wegen Vergehen gegen die Anti-Drogengesetze des Landes, gegen die der Madrider Arzt Eufemiano Fuentes in Zusammenarbeit mit Saiz verstoßen haben soll. Im Rahmen der "Operacion Puerto" waren große Menge Blutkonserven sichergestellt worden, darunter sollen auch welche von Ullrich sein.

Nach den Razzien der Guardia Civil war die Versicherungsgruppe Liberty Seguros als Hauptsponsor des Saiz-Rennstalls zurückgetreten. Das änderte jedoch nichts daran, dass seine Sportgruppe Active Bay Inhaber der Lizenz für die Protour-Serie blieb. Das bestätigte am Freitag die UCI, die in diesem Zusammenhang mangelnde Informationen der spanischen Justizbehörden beklagte.

Von Seiten der UCI wird die Bekenntnis bedauert. "Die UCI hat die Entscheidung der Lizenz-Kommission zur Kenntnis genommen. Die UCI bedauert die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben, aber sie ist legal."

Der Weltverband kündigte die genaue Untersuchung des Budgets an, dass der momentan als Astana-Team agierende Saiz-Rennstall, für den der frühere T-Mobile-Profi Andreas Klöden in der kommenden Saison fährt, wie auch die anderen Teams zur Bestätigung der für vier Jahre gültigen Protour-Lizenzen bis zum 20. November vorgelegt werden muss. Die Protour-Serie war im vergangenen Jahr gegründet worden. Astana-Kapitän Alexander Winokurow hatte gehofft, dass die von ihm organisierten Sponsoren aus seinem Heimatland Kasachstan die Lizenz übernehmen könnten.

Im "Fall Basso" behält sich die UCI den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS vor. In seiner Heimat muss der Italiener aller Voraussicht nach keine Konsequenzen mehr befürchten. Nach dem Nationalen Olympischen Komitee Coni stellte am Freitag auch der nationale Radsportverband die Ermittlungen gegen Basso ein.

© SID

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