Radsport Doping
Doping-Skandal erreicht Hamburg

Nach Erkenntnissen der ARD hat sich der Dopingskandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes nach Hamburg ausgeweitet. Auch Jan Ullrich geriet dabei wieder ins Visier der Fahnder.

Der Dopingskandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes hat sich nach ARD-Erkenntnissen weiter auf deutschen Boden verlagert. In einem Hamburger Hotel und einem Appartment sollen bei Radprofis illegale Blutextraktionen vorgenommen worden sein. Die spanischen Ermittler gehen davon aus, dass die in Hamburg "behandelten" Sportler zu den Topfahrern zählten und als Teilnehmer der Tour de France 2006 vorgesehen waren. Die Identität der Fahrer ist bisher ungeklärt.

Auch die Nummer "1" wurde behandelt

In einem sichergestellten Kalenderblatt des mutmaßlichen Dopingrings von Fuentes sind unter anderem für den 20. Juni hinter einer Nummer "1" mit verschlüsselten Bezeichnungen Blutextraktionen und -infusionen eingetragen. Und die spanischen Dopingfahnder bestätigten, dass in den bei den Razzien sichergestellten Dokumenten mit der Nummer "1" im Regelfall Jan Ullrich bezeichnet worden sei. Der einstige T-Mobile-Kapitän war einen Tag vor dem Tour-Start von dem Bonner Rennstall suspendiert worden und hat sich am vergangenen Wochenende mit seinem früheren Arbeitgeber auf eine vorzeitige Beendigung des Fahrervertrags verständigt.

Offenbar habe Fuentes nach seiner Enttarnung im Vorfeld der Tour de France Blutdoping-Praktiken nach Hamburg verlagert. Aus Kreisen spanischer Ermittler wurde bestätigt, dass bei Radprofis dafür im Zeitraum zwischen Ende Mai und Ende Juni in der Hansestadt Blut in größeren Mengen entnommen worden sei.

Fuentes habe zu diesem Zwecke Radsportler zu zwei namentlich noch nicht bekannten Personen nach Hamburg geschickt. Dabei sei zunächst von "Terminen für Gespräche" die Rede gewesen. Das bei diesen "Terminen" entnommene Blut war dafür vorgesehen, vor oder während der Tour de France zum Zwecke der Leistungssteigerung reinjiziert zu werden.

Bei den zwei Personen, die die Blutextraktionen vorgenommen haben sollen, handelt es sich nach ARD-Erkenntnissen um einen Mann und eine Frau, bei denen laut Ermittlerangaben familiäre Wurzeln in Polen vermutet werden.

Der Verdacht, dass der spanische Dopingring im Ausland Dopingpraktiken durchführte oder durch Dritte vornehmen ließ, wird durch ein von den Ermittlern sichergestelltes Dokument in spanischer Sprache erhärtet. In einem handschriftlichen Text in offenbarem Zusammenhang mit dem Dopingring ist der Vermerk notiert: "Zimmer Deutschland und Frankreich."

Verbindung zu Markus C. unklar

Ob der Arzt Markus C. aus dem niedersächsischen Bad Sachsa mit den Blutdoping-Praktiken in Hamburg in Verbindung steht oder mit einer der beiden beteiligten Personen identisch ist, ist derzeit noch nicht geklärt. Der gebürtige Pole steht im Verdacht, Fuentes in Deutschland Dopingmittel auf illegalen Wegen beschafft zu haben.

Dazu führt die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Ermittlungsverfahren. In den Privaträumen von Markus C. in Bad Sachsa und an dessen Arbeitsstätte, einer Klinik im thüringischen Bleicherode, hatte es am 17. August Hausdurchsuchungen durch Mitarbeiter des Bundeskriminalamts gegeben.

© SID

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