Radsport Doping
Ermittlungen gegen Rabobank-Team

Österreichische Doping-Ermittler haben das niederländische Rabobank-Team ins Visier genommen. "Ich habe mit dieser Sache nichts zu tun", sagte Rabobank-Fahrer Dennis Mentschow.

Vom Giro-Thron ins Verhörzimmer der Soko Doping: Auf den unmittelbar vor dem Gesamtsieg bei der Italien-Rundfahrt stehenden Russen Dennis Mentschow könnten in den nächsten Wochen unangenehme Fragen der Wiener Staatsanwaltschaft zukommen. Der niederländische Rabobank-Rennstall ist im Zuge der Ermittlungen in der Humanplasma-Affäre ins Visier der Dopingfahnder geraten - und dabei taucht immer wieder der Name Mentschow auf.

Der Vorwurf ist nicht neu, im Zuge der Geständnisse und Verhöre von Ex-Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl, dessen Manager Stefan Matschiner und weiterer Beschuldigter scheint aber Bewegung in die Angelegenheit gekommen zu sein. Mehrere Rabobank-Profis sollen demnach Blutdoping bei der Wiener Blutbank Humanplasma betrieben haben.

"Ich habe mit dieser Sache nichts zu tun"

"Ich habe mit dieser Sache nichts zu tun. Wenn jemand etwas wissen will, habe ich kein Problem damit, Fragen zu beantworten. Das habe ich bereits im letzten Jahr gemacht", sagte Mentschow, der beim Giro vor dem größten Erfolg seiner Karriere steht. Vor der letzten Bergankunft am Freitag am Vesuv liegt der Russe 26 Sekunden vor dem Italiener Danilo Di Luca.

In den vergangenen zwei Wochen ist Mentschow in den Bergen Italiens allen davongefahren, den Fragen der Ermittlern wird er wohl so schnell nicht entkommen. Das Bundeskriminalamt hat bereits Kontakt zum Rabobank-Rennstall aufgenommen. Man habe vollste Unterstützung zugesagt, versicherte Teamsprecher Luuc Eisenga: "Wir haben keine Erkenntnisse, dass einer unserer Fahrer mit dieser Firma etwas zu tun hat."

Die Sachlage mag in Österreich ein wenig anders gesehen werden. Insbesondere der frühere Rabobank-Fahrer Michael Rasmussen könnte dabei eine Schlüsselfigur sein. Der Däne, der 2007 bei der Tour de France im Gelben Trikot wegen Irreführung der Dopingfahnder aus dem Rennen genommen worden war, steht unter Verdacht, Miteigentümer einer Blutzentrifuge zu sein. Rasmussen soll das 20. 000 Euro teure Gerät gemeinsam mit dem geständigen Sünder Kohl und Skilanglauf-Olympiasieger Christian Hoffmann (Österreich) finanziert haben. Kohl hatte zugegeben, fünfmal die Zentrifuge genutzt zu haben. Fraglich bleibt, für wen die rund 50 weiteren Behandlungen waren.

Besuche in Wien

Neben Rasmussen sollen bei Humanplasma in Wien-Alsergrund reihenweise Rabobank-Fahrer ein- und ausgangen sein. In einer anonymen Anzeige waren bereits Anfang 2008 die Namen von Rasmussen, Mentschow, Michael Boogerd, Joost Posthuma und Pieter Weening genannt worden sein. Die Radprofis hatten damals bestritten, bei Humanplasma Blutdoping betrieben zu haben. Nach Recherchen des Wiener Kurier hätten aber früher einige prominente Rabobank-Profis auffällig häufig Zwischenstation in Wien gemacht.

Die Blutauffrischungen bei Humanplasma sollen demnach System gehabt haben. In Dreier- oder Viergruppen sollen die Sportler in einem Fast-Food-Restaurant am Franz-Josefs-Bahnhof abgeholt und in den zweiten Stock zu Humanplasma geleitet worden sein.

So tauchen pikante Fragen auf, die im Fall Mentschow zur unpassendsten Zeit kommen. Der Giro-Ziel in Rom ist nur noch wenige hundert Kilometer entfernt. Dann hätte der 31-Jährige nach seinen Triumphen bei der Vuelta 2005 und 2007 seine dritte große Rundfahrt gewonnen.

© SID

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