Radsport Doping
Ex-Telekom-Profi Dietz gibt Doping zu

Das T-Mobile-Team wird mit dem Doping-Geständnis von Ex-Radprofi Bert Dietz von seiner Vergangenheit eingeholt. Der 38-Jährige berichtete in der ARD-Talksendung Beckmann von systematischem Doping beim Team Telekom.

Das T-Mobile-Team wird mit dem Doping-Geständnis von Ex-Radprofi Bert Dietz erneut von seiner Vergangenheit eingeholt. Der 38-Jährige berichtete in der ARD-Talksendung Beckmann von systematischem Doping beim Team Telekom und erhärtete damit die brisanten Vorwürfe des belgischen Masseurs Jef d´Hont in dessen Enthüllungsbuch. Insbesondere die beiden Freiburger Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid, die bereits vom T-Mobile-Team suspendiert worden waren, wurden wieder schwer belastet.

"Die Ärzte haben, wenn sie selbst vor Ort waren, selbst gespritzt. Wenn sie nicht vor Ort waren, haben es die Pfleger gemacht, also Jef d Hont", sagte Dietz, der zwischen 1994 und 1998 beim Team Telekom an der Seite von Jan Ullrich gefahren war.

T-Mobile-Kommunikationschef Christian Frommert wertete gegenüber dem sid die neuerlichen Vorwürfe als "Bestätigung unserer Reaktion auf die Vorwürfe von d´Hont. Wir werden weiter mit einer klaren Linie die Vergangenheit aufbereiten. Dabei werden wir natürlich auch mit Leuten reden, die noch im Team sind", sagte Frommert in Bezug auf Sportdirektor Rolf Aldag, der stets betont hatte, nie etwas von systematischem Doping gewusst und auch selbst nie gedopt zu haben. Aldag war am Montagabend nicht zu erreichen.

Die Vorwürfe von Dietz sind jedenfalls brisant. Auf die Frage von Moderator Reinhold Beckmann, ob die Telekom-Ärzte den Gebrauch von EPO angeordnet oder angeboten hätten, antwortete er: "Sie haben es angeboten, aber natürlich in so einer Form, dass jeder wusste: Wenn ich es jetzt nicht nehme, habe ich wahrscheinlich am Jahresende so schlechte Ergebnisse, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Es war schon eindeutig, ja."

Die Ärzte seien, so Dietz, immer mehr in die Trainingsplanung einbezogen, "auch auf Wunsch von Telekom. In diesem individuellen Gespräch, das jeder dort geführt hatte, wurde erstmal die Gesamtsituation im Radsport beschrieben. Dann immer mehr auf die Situation des Team Telekom, dass wir Druck haben im Frühjahr. Und wenn wir vorne mitfahren wollen, müssten wir wahrscheinlich dieses neue Mittel probieren", sagte Dietz.

Ähnliches hatte bereits d´Hont in seinem Buch geschrieben. Dabei habe neben Toursieger Bjarne Riis ("Er war randvoll mit Epo") auch Ullrich, der schon im Zuge des spanischen Dopingskandals um Eufemiano Fuentes der Leistungsmanipulation verdächtigt wird, gedopt. "Der Höhepunkt, den ich miterlebt habe, war 1996, mein letztes Jahr bei Telekom. Wir mussten die Fahrer beim Dopen bremsen", schrieb d´Hont.

Nachdem der belgische Masseur in seinem Buch erstmals über systematisches Doping im Team Telekom berichtet hatte, suspendierte das T-Mobile-Team Anfang Mai die beiden Ärzte Heinrich und Schmid. Die Freiburger Uni-Klinik hat zudem eine Gutachterkommission unter Leitung von Hans Joachim Schäfer zur Prüfung der Vorwürfe einberufen. Zudem stellte der Doping-Experte Prof. Werner Franke Strafanzeige gegen die beiden Ärzte.

© SID

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