Radsport Doping
Floyd Landis für schuldig erklärt

Der des Dopings beschuldigte letztjährige Tour-de-France-Sieger Floyd Landis ist vom US-Schiedsgericht in Los Angeles für schuldig befunden worden. Den Einspruch des US-Profis wies das Gericht zurück.

Floyd Landis, Tour-de-France-Sieger 2006, ist vom US-Schiedsgericht in Los Angeles des Dopings für schuldig befunden worden. Das Gericht wies den Einspruch von Landis gegen den positiven Testosteron-Befund zurück, nachdem die Anti-Dopingagentur der USA (Usada) ein Verfahren gegen den ehemaligen Phonak-Fahrer eingeleitet hatte. Der Schuldspruch erfolgte mit 2:1-Stimmen. "Dieses Urteil ist ein Schlag ins Gesicht für alle Athleten. Ich bin unschuldig, und das werde ich beweisen. Das System ist falsch", sagte Landis. Weitere Kommentare von ihm sind laut Landis-Sprecherin Pearl Piatt bis kommenden Montag nicht zu erwarten.

Für schuldig hielten die US-Richter Patrice Brunet und Richard Mclaren den Angeklagten, dagegen sprach sich Christopher Campbell aus. In seiner 84-seitigen Urteilsbegründung kam das Schiedsgericht zu dem Schluss, dass die bei Landis getesteten Grenzwerte weit über den erlaubten gelegen hätten. "Er ist für schuldig befunden worden. Das beweist, dass unser Kontrollsystem greift", kommentierte Pat Mcquaid, der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, den Schuldspruch.

Gegen das Urteil kann Landis nun noch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Einspruch einlegen. Den möglichen Gang vor die CAS-Juroren hatten beide Seiten vor der Urteilsverkündung angekündigt. Landis' Anwälte reklamieren Verfahrensfehler bei den Dopingkontrollen in Frankreich. Ihr Klient hatte stets seine Unschuld beteuert. "Das Urteil ist eine Enttäuschung. Aber es schließt sich an Reihe fehlerhafter Entscheidungen an", sagte Landis-Anwalt Maurice Suh.

Zweijährige Sperre und Aberkennung des Toursiegs möglich

Sollte Landis auch in letzter Instanz schuldig befunden werden, droht ihm eine zweijährige Sperre und die Aberkennung des Tour-Sieges von 2006. In diesem Fall würde künftig der Spanier Oscar Pereiro als Sieger in den Tour-Annalen geführt.

"Nach unseren Regeln, wird Pereiro der Tour-Sieger", sagte Quaid, den auch Tour-Direktor Christophe Preudhomme bestätigt: "Auf so ein Urteil haben wir lange gewartet, viel zu lang. Wir vertrauen unseren Testlaboren. Für uns war Landis schon nach dem Resultat der B-Probe nicht mehr der Sieger. Das Gericht hat unsere Auffassung bestätigt, das Landis gelogen hat".

Pereiro war beim Tour-Finale am 23. Juli 2006 in Paris vor dem damaligen T-Mobile-Fahrer Andreas Klöden Gesamtzweiter hinter Landis geworden, vier Tage später wurde das positive Ergebnis einer A-Probe von Landis bekannt. Laut Testergebnis hatte der positive Testosteron-Befund mit 11:1 den erlaubten Grenzwert von 4:1 deutlich überschritten. Landis wurde daraufhin von seinem Schweizer Rennstall suspendiert.

Die A-Probe war am 20. Juli entnommen worden, nachdem der Phonak-Kapitän bei der Tour nach einer 130km langem Alleinfahrt die letzte Alpenetappe in Morzine in glanzvoller Manier gewonnen hatte, obwohl er am Vortag noch völlig eingebrochen war. Der Dopingbefund wurde am 5. August 2006 bei der im französischen IOC-Labor von Chatenay-Malabry vorgenommenen Anlalyse der B-Probe bestätigt.

Als Konsequenz entließ Phonak seinen bisherigen Kapitän fristlos und kündigte gleichzeitig die Auflösung des Rennstalls zum Saisonende an. Wenige Tage später erklärte die Usada, ein Verfahren einleiten zu wollen.

Eins der längsten Verfahren in der Radsport-Geschichte

Beim Gang vor die Gerichte bewiesen die Landis-Anwälte Hartnäckigkeit. Immer wieder verzögerten die Advokaten den Prozess, der damit zu einem der längsten Verfahren in der Radsport-Geschichte ausartete. Für den Hauptakteur wurden die langen Verhandlungen zu einer kostspieligen Angelegenheit. Über zwei Mill. Dollar gab Landis für die Anwaltskosten aus. Um es sich finanziell leisten zu können, den Prozess überhaupt weiterzuführen, musste er seine Fans zu Spendenaktionen aufrufen.

Moralische Unterstützung hatte er immer wieder durch Sportkollegen erhalten. Seine Solidarität hatte ihm dabei auch der siebenmalige Tour-Sieger Lance Armstrong versichert, der selbst jahrelang im Fadenkreuz der Dopingfahnder stand.

© SID

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