Radsport Doping
Formalie steht Ullrich-Verfahren im Wege

Der Schweizer Radsport-Verband hat genug Indizien gesammelt, um einen Prozess gegen den unter Dopingverdacht stehenden Jan Ullrich einleiten zu können. Die belastenden Unterlagen müssen dafür lediglich beglaubigt werden.

Lediglich eine Formalie trennt den Schweizer Radsport-Verband Swiss Cycling noch von der Eröffnung eines Doping-Verfahrens gegen Jan Ullrich. "Wir haben die Unterlagen gesichtet und genug Indizien, um die Sache an die nächste Instanz weiterzuleiten. Allerdings sind die Papiere noch nicht beglaubigt. Ohne eine Beglaubigung können wir kein Verfahren einleiten", sagte Lorenz Schlaefli dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Der Schweizer Verband will die Beglaubigung nun in den nächsten Tagen vom Radsport-Weltverband UCI oder direkt von der spanischen Justiz anfordern. "Es wird einen Indizienprozess geben. Das ist für uns das erste Mal. Ich weiß nicht, wie es ausgehen wird", erklärte Schlaefli weiter. Normalerweise wird nur nach einer positiven Dopingprobe ein Verfahren eingeleitet. Diese liegt im Fall Ullrich nicht vor, "was die ganze Sache schwerer macht", so Schlaefli.

Ullrich, der jede Manipulation bestreitet, wird nach den Ermittlungen der spanischen Behörden verdächtigt, zu den Klienten des Madrider Dopingarztes Eufemiano Fuentes gezählt zu haben. Ihm werden Blutdoping sowie die Bestellung verschiedener unerlaubter Substanzen bis hin zu Wachstumshormonen vorgeworfen.

Ullrich droht vierjährige Pause

Sollte Ullrich schuldig gesprochen werden, dürfte seine Karriere vorbei sein. Eine vierjährige Sperre wäre aller Voraussicht nach die Folge. Für ein Dopingvergehen wird in der Regel eine Sperre von zwei Jahren ausgesprochen. Hinzu kommt der von den erst- und zweitklassigen Teams unterzeichnete Ethik-Code, nach dem die Rennställe darüber hinaus weitere zwei Jahre keinen dopingbelasteten Fahrer verpflichten.

Erschwerend kommt für Ullrich hinzu, dass er als Wiederholungstäter gilt. 2002 war der 32-Jährige wegen Medikamenten-Missbrauchs vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) für sechs Monate gesperrt worden. Angeblich hatte er während der Rehabiliation nach der Knieoperation in einer Discothek "nur Ecstasy-Pillen" zu sich genommen.

Die dem Schweizer Verband vorliegenden Unterlagen aus Madrid umfassen rund 100 Seiten. Laut Schlaefli belastend genug, um ein Verfahren einzuleiten. Sobald die Beglaubigung eintrifft, wird der Fall an die Disziplinarkammer weitergeleitet. Ob deren Vorsitzender Gerhard Walther selbst Anklage erheben wird, ist aber noch fraglich. "Er hat sich bereits in der Presse geäußert. Das könnte ein Problem werden", erklärte Schlaefli.

Ullrich war am 30. Juni, dem Vortag des Tourstarts, von T-Mobile aus dem Aufgebot genommen und suspendiert worden. Am 21. Juli folgte noch während der Frankreich-Rundfahrt die Kündigung, weil Ullrich nichts zu seiner Entlastung beigetragen habe. Der gebürtige Rostocker ("Ich bin doch kein Verbrecher") weigert sich auch, einen DNA-Test zu machen.

© SID

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