Radsport Doping
Franke präsentiert "Einkaufsliste" von Ullrich

In einem Gespräch mit der Hamburger Morgenpost hat Dopingexperte Professor Werner Franke die Vorwürfe gegen Radprofi Jan Ullrich untermauert und auch eine Art "Einkaufsliste" der Stars erläutert.

Neues belastendes Material hat der Heidelberger Dopingexperte Professor Werner Franke im Dopingskandal um den spanischen Mediziner Eufemanio Fuentes sowie zahlreiche Radprofis wie Jan Ullrich und Ivan Basso vorgelegt. In einem Gespräch mit der Hamburger Morgenpost konkretisierte der Molekularbiologe unter Berufung auf entsprechende Akten der spanischen Behörden auch eine so genannte "Einkaufsliste".

50 Seiten der Guardia Zivil liegen vor

"Ich habe hier 50 Seiten der Guardia Zivil vorliegen. Es ist schon irre, was da alles auftaucht", sagte Franke. Bekannt war bereits, dass Ullrich Wachstumshormone, Insulin, Kortekoide, Testosteron und präparierte Eigen-Bluteinheiten bekommen haben soll. Auf der Liste für Ullrich und Co. standen laut Franke auch "Epo, vier verschiedene anabole Steroide, die Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie diverse Schmerzmittel." Die Eigenbluteinheiten, die Fuentes gelagert hat, seien zum Teil gekühlt bei plus vier Grad, zum Teil eingefroren gewesen.

Mehr Geld für Dopingmittel als Ullrich (35 000 Euro) habe nach Aktenlage Ivan Basso ausgegeben: 40 000 Euro. Ex-T-Mobile-Fahrer Santiago Botero stehe mit 12 500 Euro zu Buche. Jörg Jaksche, der unter drei Codenamen aufgelistet sei, darunter Bella und Jorge, habe mehrfach Bestellungen abgegeben. Franke: "Mal für 400 Euro, mal für 474 Euro."

Beweisführung sei "einwandfrei und wasserfest"

Die Beweisführung der spanischen Justiz, dass es sich bei einem der vielen Sünder wirklich um Ullrich handele, sei einwandfrei und wasserfest: "Das ist unheimlich penibel gemacht. Drei voneinander unabhängige Beweise wurden geführt." Durch die abgehörten Telefonate und überwachten SMS von Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage gebe es keinen Zweifel: "Die Liste vom Zeitfahren beim Giro d´Italia muss man nur neben die Zahlencodes von Fuentes legen. Wer bestreitet, dass Jan Ullrich bei Fuentes Kunde war, macht sich lächerlich."

Auf die Attacken von Ullrich ("Der Mann hört sich selber gerne reden und wollte mal wieder ins Fernsehen. So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört") und seinem Manager Wolfgang Strohband ("Völliger Quatsch") antwortet Franke in der Hamburger Morgenpost so: "Das ist die Arroganz des Dummen. Ich veröffentliche nur aus Ermittlungsakten, aus Gerichts-festen Unterlagen. Wenn das nicht erlaubt sein soll, wo leben wir denn dann?"

© SID

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