Radsport Doping
Godefroot: "Habe Doping nicht organisiert"

Walter Godefroot hat den Vorwurf zurückgewiesen, in den 90er Jahren als Telekom-Teamchef Doping organisiert oder finanziert zu haben. Der frühere Telekom-Masseurs Jef D'hont hatte den Belgier beschuldigt.

Walter Godefroot hat die Vorwürfe gegen seine Person im Doping-Skandal um den ehemaligen Telekom-Radrennstall zurückgewisen. Der 63-Jährige widersprach auf einer Pressekonferenz in Gent damit Aussagen des früheren Telekom-Masseurs Jef D'hont und will gegen seinen Landsmann vor Gericht ziehen. Sein früherer Angestellter wirft ihm organisiertes Doping im Magenta-Team der Neunziger Jahre vor. "Der Wilderer kann nicht den besten Förster spielen, die Wahrheit wird unter Eid ans Licht kommen", sagte der 63-Jährige vor einem Großaufgebot der internationalen Presse im Hotel Holiday Inn von Gent.

Sieben ehemalige Telekom-Profis, angeführt von Erik Zabel und Toursieger Bjarne Riis, sowie die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid haben seit dem Erscheinen des Buches von D'hont und dem Interview im Spiegel Ende April Doping gestanden. "Rückwirkend betrachtet, bin ich naiv gewesen", bekannte Godefroot, der die Teams Telekom und T-Mobile von 1992 bis 2005 führte.

Distanz zu seinen Angestellten

"Ich habe aber Doping weder organisiert noch finanziert. Ich habe keine Fahrer zum Gebrauch von unerlaubten Mitteln angeregt oder angeleitet und auch nie den Ärzten dafür freie Hand gegeben", beteuerte der Flame. Erst recht habe er nie, wie von seinem Landsmann behauptet, Geld für Dopingmittel kassiert: "Dass mich dieser Mann so durch den Dreck zieht, hat mich tief verletzt."

Er habe immer bewusst Distanz zu seinen Angestellten gehalten, betonte Godefroot: "Wenn man dick befreundet ist, kann man nicht gut über Verträge verhandeln." Natürlich habe auch er zu jener Zeit festgestellt, dass "Dinge geschahen, die nicht normal waren" und dies auch dem Weltverband UCI 1996 mitgeteilt, der dann den Hämatokritwert auf 50 begrenzte. Er selbst habe noch nicht einmal gewusst, was das Wort bedeutete.

"Der Virus hat sich damals eingeschlichen. Dass es sich um Epo handelte, habe ich erst später erfahren", berichtete der Belgier: "Aber wer davon befallen war, vor allem in den eigenen Reihen, blieb auch für mich eine offene Frage. Wer dieses Mittel nimmt, posaunt das nicht heraus. Ich hatte keine Beweise, nur Vermutungen."

"Null-Toleranz-Einstellung"

Er werde im Prozess gegen D'hont, der bis 1996 bei ihm angestellt war, dessen Aussagen "Punkt für Punkt widerlegen", kündigte Godefroot an. Er werde die Klage in den kommenden Wochen einreichen: "Jef wird vor Gericht die Möglichkeit haben, sich zu verantworten." Er selbst habe niemals von Manipulationen im Team gewusst: "Jeder wusste von meiner Null-Toleranz-Einstellung."

Von einem ehemaligen Mitarbeiter liege sogar eine schriftliche Erklärung vor, die dies belege. Ihn habe D'hont einmal gewarnt: "Sag Walter auf keinen Fall, mit welchen Präparaten ich arbeite, sonst hängt der mich an den Eiern auf."

Die Geständnisse seiner ehemaligen Schützlinge hätten ihn getroffen: "Mit der Verpflichtung von Riis begann 1996 ein neuer Wind im Team zu wehen. Bjarne verdiente Respekt für seine hoch professionelle Einstellung. Aber heute muss ich erkennen, dass er uns leider betrogen hat." Zu Jan Ullrich wolle er sich nicht äußern: "Er muss selbst wissen, was er sagt."

Er werde wie abgesprochen bis Ende 2007 Berater bei Astana bleiben und die Mannschaft auch bei der Tour de France begleiten, sagte Godefroot. Beim kasachischen Rennstall stehen auch die ehemaligen Telekom-Profis Alexander Winokurow, Andreas Klöden und Matthias Kessler unter Vertrag, einer der sportlichen Leiter ist Mario Kummer.

© SID

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