Radsport Doping
Holczer vermutet korrupte Mitarbeiter in Laboren

Hans-Michael Holczer, ehemaliger Chef des Radteams Gerolsteiner, vermutet bestechliche Mitarbeiter in Dopinglaboren und fordert eine Verdopplung der maximalen Dopingsperre.

Hans-Michael Holczer hat zu einem Rundumschlag ausgeholt. Der ehemalige Chef des Radteams Gerolsteiner vermutet bestechliche Mitarbeiter in vielen Doping-Laboren, spricht sich für eine Verdopplung der maximalen Dopingsperre im Radsport auf vier Jahre aus und sieht die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) im "Fall Alberto Contador" vor der Zerreißprobe.

Radsportler auf höchstem Niveau seien normalerweise von medizinischen Experten umgeben, welche die Dosierung illegaler Mittel so einstellen könnten, dass kein Test das Dopen aufdecke, sagte Holczer dem Nachrichtenmagazin Focus. "Damit garantiert nichts schiefgeht, wird ein Labor mit einem oder mehreren korrupten Mitarbeitern genutzt."

Niemand könne uneingeschränkt die Unbestechlichkeit jedes Mitarbeiters garantieren. Er selbst habe vor Jahren als Gerolsteiner-Chef ein Angebot eines spanischen Labors für "Trainingsanalysen" bekommen.

Holczer sind die Spanier suspekt

Auffällig findet Holczer, "dass die Spanier in sehr vielen Sportarten führende Rollen spielen". Er sei geprägt von seinen Beobachtungen des Dopingarztes Eufemiano Fuentes. "Aus Protest habe ich seit 2006 spanischen Boden nicht betreten", sagte Holczer dem Focus. Der Realschullehrer stieg 2008 aus dem Radsport aus und unterrichtet wieder.

Härter bestrafen würde Holczer gerne überführte Dopingsünder. "Ich würde sie für vier Jahre sperren", sagte er dem Kölner Stadtanzeiger (Samstagausgabe). Begründung: "Doping findet nicht spontan und nicht im Affekt statt, sondern immer berechnend. Sie müssen, wenn sie dopen, das Zeug besorgen. Sie müssen sicher sein, dass sie nicht erwischt werden. Kein Fahrer nimmt etwas, wenn er nicht vom Arzt oder Apotheker gesagt bekommt, in der Dosierung oder mit der Maskierung findet man das nicht."

Zwei Jahre Sperre vergingen schnell, habe er gemerkt, so Holczer, "vier Jahre sind in einem Sportlerleben prägend, da bist Du dann mit 30 Jahren definitiv draußen."

Fall Contador als Prüfstein für die Wada

Den "Fall Contador" sieht Hans-Michael Holczer als Prüfstein für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) an. "Wenn die Wada sich auf einen Kuhhandel einlässt und Contador nicht angemessen sperrt, dann können sie die Wada gleich einstampfen", sagte Holczer. Der dreimalige Toursieger Contador war am zweiten Ruhetag der Tour de France (21. Juli) positiv auf Clenbuterol getestet worden. Dabei war eine sehr geringe Konzentration in der Urinprobe des Spaniers festgestellt worden.

Daraufhin hatten mehrere Wissenschaftler den positiven Dopingbefund mit einer kurz vorher durchgeführten Eigenblut-Transfusion begründet. So sollen in der Probe Rückstände von Weichmachern, auch Diethylhexylphthalat genannt, festgestellt worden sein. Diese könnten aus einem Plastikbeutel mit Eigenblut stammen. Contador bestreitet, jemals gedopt zu haben.

Wie die spanische Zeitung El Pais berichtete, soll der Radsport-Weltverband UCI mit Contador bereits Ende August einen faulen Kompromiss ausgehandelt haben. Demnach habe es bei einem Treffen in Puertollano kurz nach dem Ergebnis der positiven Dopingprobe eine Verständigung beider Seiten auf eine dreimonatige Sperre gegeben. Voraussetzung sei gewesen, dass Contador eine vorläufige Sperre akzeptiere. Der Weltverband drängte Contador offenbar zur Verschwiegenheit.

© SID

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