Radsport Doping
Jaksche-Geständnis stößt auf wenig Gegenliebe

Mit seinem Doping-Geständnis hat sich Jörg Jaksche im Radzirkus ins Abseits gestellt. Ehemalige Teamchefs und Fahrer werfen Jaksche Lügen und Geldgier vor, Tony Rominger denkt sogar über eine Klage nach.

Jörg Jaksches Doping-Enthüllungen wurden im Radzirkus mit wenig Verständnis zur Kenntnis genommen, die Beschuldigten reagierten durchweg mit Entrüstung und denken nun über Konsequenzen nach. Der Hauptsponsor des Teams Milram bittet unterdessen Teamchef Gianluigi Stanga zum Rapport und lässt die Frage nach einer Zukunft des Rennstalls offen. Die Anti-Doping-Jäger wie BDR-Präsident Rudolf Scharping sehen dagegen in der detaillierten Beichte eine "Chance für den Radsport", auch wenn "der Boden des Fasses" noch nicht erreicht ist.

In einem achtstündigen Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel hatte Jaksche mit seiner unsauberen Vergangenheit aufgeräumt und über flächendeckendes Doping im Radsport berichtet. Der Franke legte schonungslos die Karten auf den Tisch, nannte Hintermänner, beschuldigte Ärzte und machte auch vor dem Weltverband UCI keinen Halt.

Godefroot: "Jörg lügt"

Die pikanten Aussagen stießen nicht nur auf Gegenliebe. "Jörg lügt. Ich habe auf meiner Pressekonferenz vor Wochen bereits alles erklärt. Dabei bleibe ich", sagte der Belgier und verwies im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) auf seine Stellungnahme Anfang Juni, wonach er Doping "weder organisiert noch finanziert" habe.

Jaksche hatte über seine Telekom-Zeit (1999/2000) von einem "fest installierten System" gesprochen. Er habe das Team verlassen müssen, weil er das System nicht begriffen habe. "Jörg weiß besser als ich, dass das nicht stimmt. Er ist aus dem Team gegangen, weil er sich finanziell verbessert hat. Er hätte bleiben können", sagte Godefroot.

Rominger erwägt Klage gegen Jaksche

Die schwersten Anschuldigungen richtete Jaksche gegen seinen damaligen Polti-Teamchef Stanga, der heute die Geschicke des Milram-Rennstalls leitet. Stanga habe ihn damals zum Doping geführt, behauptet Jaksche. Der 57-jährige Italiener wies die Vorwürfe als "absurd" zurück. "Das ist eine komplett falsche Behauptung. Ich habe mir nie erlaubt, irgendjemandem Medikamente anzubieten", sagte Stanga bei Zdfonline.

Entrüstet zeigte sich auch Jaksches ehemaliger Manager Tony Rominger. "Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Schade, dass Jörg Unwahrheiten erzählt. Ich bin geradezu schockiert", sagte der frühere Tour-Zweite im sid-Gespräch und schließt eine Klage nicht aus. Jaksche hatte behauptet, Rominger hätte bei dem damaligen Liberty-Teamchef Manolo Saiz für seinen Spitzenfahrer "eine bessere medizinische Betreuung" gefordert.

Winokurow: "Es ist wie im Film"

Der von ihm beschuldigte Spitzenfahrer soll der frühere T-Mobile-Profi Alexander Winokurow sein, der Jaksche sogleich Geldgier vorwarf: "Ich habe genug von all diesen Bekenntnissen, für die viel Geld bezahlt wird. Es ist wie im Film. Für 100 000 Euro reden einige Leute den Anklägern nach dem Mund." Der ebenfalls von Jaksche genannte Jens Voigt konnte sich an die Aussagen im Gespräch mit Jaksche bei der Tour 1998 nicht mehr genau erinnern. Er bekräftigte aber, nie gedopt zu haben.

Scharping begrüßte unterdessen im ARD-Interview Jaksches Geständnis, denn nur so sei es möglich, an die Hintermänner zu kommen und das ganze Netz mit seinen mafiösen Strukturen aufzudecken. So sieht es auch Anti-Doping-Experte Werner Franke, der bei einer Zusammenarbeit Jaksches mit den Behörden auch mit einer Strafmilderung gut leben könnte.

Tourchef Christian Preudhomme kritisierte in der ARD dagegen, dass "manche Spaß daran haben, genau vor der Tour auszupacken". Am kommenden Samstag startet die Frankreich-Schleife in London. An eine saubere Tour will Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer noch nicht glauben: "Es ist nicht richtig, die Illusion aufzubauen, dass wir uns auf eine saubere Tour freuen können."

© SID

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