Radsport Doping
Kohl bringt Milram-Arzt in Bedrängnis

Ex-Radprofi Bernhard Kohl hat weitere pikante Details zu seinen Doping-Praktiken preisgegeben und damit den derzeitigen Milram-Teamarzt Mark Schmidt in Bedrängnis gebracht.

Der frühere Radprofi Bernhard Kohl bringt mit immer pikanteren Details seiner Doping-Praktiken nun auch den Teamarzt seines früheren Rennstalls Gerolsteiner in Bedrängnis. "Wenn der Arzt eins und eins zusammenzählt, dann weiß er, dass meine Leistung ohne Doping nicht möglich ist", sagte der Österreicher in der ARD-Sendung Beckmann. Betreuender Arzt des Teams Gerolsteiner bei der Tour de France 2008, die Kohl auf Platz drei abschloss, war Mark Schmidt, der inzwischen für den einzig verbliebenen deutschen Protour-Rennstall Milram tätig ist.

Kohl gestand, auch während der Tour 2008 Eigenblutdoping betrieben zu haben: "Es standen zwei Liter Blut aufgeteilt auf vier Beutel für mich bereit. Dreimal wurde mir Blut zurückgeführt." Auf die Frage, ob denn ein Arzt bei den Transfusionen dabei war oder davon wusste, antwortete der Österreicher: "Dazu möchte ich hier nichts weiter sagen."

Schmidt von Bayern-Rundfahrt abgezogen

Der Erfurter Schmidt, nach dem Ende des Teams Gerolsteiner gemeinsam mit acht Profis und Teamchef Christian Henn zu Milram gewechselt, wurde von der Teamleitung mit sofortiger Wirkung von der am 27. Mai in Kelheim beginnenden Bayern-Rundfahrt abgezogen. Eine entsprechende Meldung der Frankfurter Rundschau bestätigte Teamchef Gerry van Gerwen dem SID. Weitere Konsequenzen sind nicht ausgeschlossen. "Wir sind in Gesprächen mit Mark Schmidt und prüfen alles sehr sorgfältig", sagte van Gerwen. Von Schmidt selbst gibt es bislang keine Stellungnahme.

"Ich hätte gerne mehr Details und Hintergründe von Kohl erfahren, denn die Andeutungen gegen unseren damaligen Teamarzt sind schwerwiegend", sagte unterdessen der frühere Gerolsteiner-Chef Hans-Michael Holczer. Der 55-Jährige kündigte an, über seinen Anwalt Kontakte mit Kohl und Schmidt aufnehmen und auch vor rechtlichen Schritten nicht zurückschrecken zu wollen: "Ich werde bei Dopingvergehen rechtlich gegen jeden vorgehen - ohne Ausnahme."

"Doping war definitiv nicht im Team organisiert"

Kohls unmittelbarer Hintermann sei sein damaliger Manager Stefan Matschiner gewesen. "Er hat das Blut in Österreich aufgetaut, ist in den Flieger gestiegen und mit einem Mietwagen zu dem Hotel gefahren, wo wir abends angekommen sind. Zwischen Interviews und Massage wurde das Blut dann zurückgeführt", erklärte Kohl. Der ganze Prozess habe etwa 20 Minuten gedauert. Seinen Ex-Teamchef Holczer, dem er noch Anfang April versichert hatte, bei der Tour keine Transfusionen vorgenommen zu haben, nahm Kohl in Schutz: "Er hat immer versucht vorzuleben, dass es auch ohne Doping geht. Doping war definitiv nicht im Team organisiert wie etwa bei T-Mobile."

Holczer zeigte sich jedoch enttäuscht vom TV-Auftritt seines einstigen Profis: "Die Tour ohne Doping als unfahrbar darzustellen, ist sehr populistisch." Auch hätte Kohl noch offener über Hintermänner und involvierte Kollegen reden müssen.

Der Tour-Dritte Kohl sei in seiner Karriere etwa 200 Mal kontrolliert worden. Nur einmal sei der Test jedoch positiv gewesen: "Das heißt: Eine negative Kontrolle bedeutet keinen negativen Sportler." Von Cera hatte er "erstmals Ende 2007 von einem Sportlerkollegen" gehört: "Es hieß, es gibt ein neues Epo. Da musste man dann schauen, wo man es kriegt", sagte Kohl. Ein Sportlerkollege habe ihm dann das Mittel auch besorgt.

© SID

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