Radsport Doping: Landis stört trügerische WM-Ruhe

Radsport Doping
Landis stört trügerische WM-Ruhe

Vor der WM in Australien hat Floyd Landis mit einem Vortrag erneut auf das Doping-Problem im Radsport hingewiesen. Auf weitere Vorwürfe gegen Lance Armstrong verzichtete er dabei.

Pünktlich zum Start der Weltmeisterschaften in Australien ist Floyd Landis wieder auf die Radsport-Bühne geplatzt und hat mit einem Vortrag über das Dauer-Thema Doping die fast schon trügerische Ruhe gestört. Der geständige Dopingsünder nahm an einem Symposium der Deakin Universität mit dem Titel "Neue Wege des Profi-Radsports" in Geelong teil, verzichtete aber auf weitere Angriffe gegen den von ihm schwer belasteten Superstar Lance Armstrong. Der Radsport-Weltverband UCI war über die Anwesenheit des ungeliebten Gastes weniger erfreut und strafte die Veranstaltung mit Missachtung.

Landis gab sich indes vor der kleinen Zuhörerschaft als reuiger Sünder. Er habe zu lange mit dem Geständnis gewartet. Letzten Endes sei er diesen Schritt aber gegangen, um sein Gewissen zu beruhigen. "Auch wenn es geschmerzt hat zuzugeben, meine Mutter und andere belogen zu haben, ist es immer noch die beste Alternative gewesen", sagte der Amerikaner, dem 2006 wegen Testosteron-Dopings nachträglich der Toursieg aberkannt worden war.

Schwere Vorwürfe gegen Armstrong und sein Team

Landis hatte bei seinem Doping-Geständnis im Mai dieses Jahres schwere Anschuldigungen gegen Armstrong und weitere Mitglieder des damaligen US-Postal-Rennstalls erhoben. Der frühere Radprofi hatte von systematischem Doping im Team berichtet. In seinem umfangreichen Geständnis nannte Landis auch die Namen mehrerer Fahrer wie Armstrong oder George Hincapie.

Armstrong hatte die Vorwürfe als "komplett falsch" zurückgewiesen und die Glaubwürdigkeit von Landis infrage gestellt. Die US-Behörden haben aber unter Führung von Ermittler Jeff Novitzky längst ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und Verschwörung eingeleitet. Mehrere Personen mussten bereits vor der Grand Jury aussagen, darunter auch der dreimalige Toursieger Greg Lemond, der stets als Gegenspieler Armstrongs aufgetreten war.

Landis wollte zum Thema Armstrong aufgrund der laufenden Ermittlungen nichts sagen. Trotzdem hatte er sich wieder die passende Bühne zu seinem Auftritt ausgesucht. Sein Geständnis hatte er dieses Jahr pünktlich vor der Kalifornien-Rundfahrt platziert. Und während der Tour de France hatte er durch mehrere Zeitungsinterviews seine Doping-Vorwürfe gegen Armstrong konkretisiert und damit ein großes Medienecho erzielt. Auch der Radsport-Weltverband war damals in Bedrängnis geraten, insbesondere zwei Geldspenden von Armstrong brachten die UCI in Erklärungsnot.

"Radsport wird weiter Doping-Problem haben"

Derart brisant war es diesmal dann nicht. Landis hoffe vielmehr, dass er mit seinem Vorgehen ein "Katalysator für einen Wandel im Radsport" sein könne. "Der Radsport wird weiter ein Doping-Problem haben, wenn nicht mehr Leute kommen und darüber sprechen", mahnte Landis.

Landis deutete ferner an, dass im Radsport flächendeckendes Doping an der Tagesordnung gewesen sei. "Da waren viele gute Leute im Radsport, die dieselbe Entscheidung getroffen haben wie ich. Es war nicht ihre Intention, jemanden zu betrügen oder zu verletzen. Doping war so weitverbreitet, dass man das Bewusstsein hatte, niemanden verletzt zu haben", sagte der 34-Jährige, der die WM ohne Akkreditierung als Zuschauer verfolgt.

© SID

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