Radsport Doping
Ludwig: "Ich wollte mit Jan persönlich sprechen"

T-Mobile-Rennstall-Chef Olaf Ludwig hat im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) die Beweggründe zur Kündigung von Jan Ullrich offengelegt und die weitere Marschroute des Rennstalls vorgestellt.

Radprofi Jan Ullrich hat im Zuge der Dopingvorwürfe gegen ihn im Rahmen des spanischen Dopingskandals die Kündigung von seinem Arbeitgeber T-Mobile erhalten. Der Chef des Rennstalls, Olaf Ludwig, nahm im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) Stellung zu dieser Entscheidung und erklärte die weiteren Schritte von T-Mobile.

sid: "Die Kündigung für Jan Ullrich wurde erst durch die Veröffentlichung auf dessen Website bekannt. Warum lief das so heimlich ab?"

Olaf Ludwig: "Wenn ich gefragt wurde, habe ich eine ehrlich Antwort gegeben. Das war auch so bei Jans Erklärung in der zweiten Tourwoche."

sid: "Jan Ullrich und Oscar Sevilla werden alles daransetzen, ihre Unschuld zu beweisen. Steht uns ein langer Rechtsstreit bevor?"

Ludwig: "Das weiß ich nicht. Aber weder von Oscar, noch von Jan Ullrich ist eine Erklärung gekommen, die ihre Unschuld bewiesen hätte. Ich habe lediglich Jans Stellungnahme erhalten, deren Inhalt belanglos ist."

sid: "Jan Ullrich beschwert sich, dass er nach dem, was er für das Team getan hätte, wie eine Faxnummer behandelt würde. Was sagen Sie dazu?"

Ludwig: "Ich wollte mit Jan persönlich sprechen und habe immer wieder versucht, ihn telefonisch zu erreichen. Es war mir einfach nicht möglich."

sid: "Ist die Kündigung ihr letztes Wort?"

Ludwig: "Es gibt noch einen Gesprächtermin. Eine Vermittlung zwischen uns und Jan Ullrich ist nicht ausgeschlossen. Aber Jan und Oscar konnten nicht beweisen, dass es keine Verwicklungen ihrerseits mit dem spanischen Arzt Fuentes gab."

sid: "Die Stimmung unter den Fans ist gespalten. Es gibt einen Teil, der von einer Hexenjagd gegen Jan Ullrich spricht. Wie gehen Sie damit um?"

Ludwig: "Wir veranstalten keine Hexenjagd gegen Jan Ullrich. Ich bin mir schon im Klaren, dass Jan Ullrich viele Fans hat. Er war der erste Deutsche, der die Tour gewonnen hat. Das wird er immer bleiben. Wir behaupten auch nicht, dass er positive Dopingproben abgegeben hat. Seine Unschuldsbekenntnisse sind aber keine."

sid: "Standen Sie bei der Kündigung unter Druck?"

Ludwig: "In Übereinstimmung mit dem Sponsor habe ich Jan gekündigt."

sid: "Bereuen Sie es nach den ganzen Querelen inzwischen, die Olaf Ludwig Cycling Gmbh gegründet zu haben?"

Ludwig: "Nein. Da muss ich durch. Man muss schwierige Situationen im Leben meistern. Nur so wird man gestählt und kann etwas Erfolgreiches aufbauen."

sid: "Könnte man das Dopingproblem nicht eindämmen, wenn Radprofis wie Fußballer, Eishockeyspieler und Basketballer an einem Ort wohnen würden?"

Ludwig: "Der Profiradsport ist anders aufgestellt. Es liegt nicht in der Tradition des Radsports, dass alle Fahrer an einem Ort wohnen."

sid: Wäre es nicht günstig, wenn die Fahrer einen Trainer hätten, der Sie betreut und auf sauberen Sport achtet?"

Olaf Ludwig: "Der Gedanke ist richtig, deshalb wollen wir die Fahrer überzeugen, dass sie sich einem Trainer anschließen. Andreas Klöden und einige andere Fahrer von uns haben das mit Thomas Schediwie bereits getan."

sid: "Hat Andreas Klöden schon einen neuen Vertrag unterschrieben?"

Ludwig: "Vertragsangelegenheiten regele ich grundsätzlich erst in Ruhe nach der Tour. Das betrifft nicht nur Andreas Klöden, sondern alle, deren Verträge auslaufen oder die neu zu uns stoßen."

© SID

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