Radsport Doping
Neues Material gegen Jan Ullrich aufgetaucht

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gibt es neues belastendes Material gegen Jan Ullrich. Demnach bekam der Tour-Sieger von 1997 bei der vergangenen Frankreich-Rundfahrt mehrfach verbotene Substanzen verabreicht.

Im mutmaßlichen Doping-Skandal ist offenbar neues belastendes Material gegen Jan Ullrich aufgetaucht. Das geht aus Informationen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen.

Demnach lasse ein von den Fahndern im spanischen Doping-Skandal sichergestelltes Dokument die Schlussfolgerung zu, dass Ullrich in der ersten Woche der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt täglich verbotene Substanzen verabreicht bekommen habe. Dabei geht es um Wachstumshormone, Insulin, Testosteron und präpariertes Eigenblut.

T-Mobile hat keine Informationen

T-Mobile, das seinen Mannschaftskapitän nach den ersten vorliegenden Dokumenten der Guardia Civil bereits am Tag vor dem Start der laufenden Tour suspendiert hatte, wusste von diesen Informationen am Freitagmorgen noch nichts. "Das steht nicht in dem Bericht, der uns vorliegt", sagte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert fügte aber hinzu: "Aufgrund unserer bisherigen Erkenntnisse muss man davon ausgehen, dass die Vorwürfe, die sich auf dieses Jahr beziehen, nicht alles sind."

Bei den Ermittlungen gegen den hauptverdächtigen Mediziner Eufemiano Fuentes sei nach Informationen der SZ ein "Roadbook" für den Juli 2005 aufgetaucht, in dem dokumentiert werde, dass Fuentes für einen Jan in diesem Zeitraum eine "changierende Medikation" aus verschiedenen verbotenen Substanzen vorgesehen habe. Den einzelnen Tagen sind dabei exakte Beschreibungen der Mittel zugeordnet.

Andere Unterlagen hatten Ullrich aufgrund von abgehörten Telefongesprächen zwischen seinem belgischen Vertrauten Rudy Pevenage und Fuentes stark belastet. Demnach wurde der Toursieger von 1997 anhand eines entschlüsselten Codenamens mit der Bestellung einer Eigenblut-Transfusion in Verbindung gebracht. Am Tag des Telefonats hatte Ullrich das Zeitfahren beim Giro d´Italia gewonnen.

"Mitgliedsbeitrag" an Fuentes

Aus den Dokumenten der spanischen Behörden gehe auch hervor, dass die prominenten Kunden des Madrider Arztes, zu denen neben Ullrich auch der Italiener Ivan Basso, der US-Amerikaner Tyler Hamilton oder der Spanier Roberto Heras gehören sollen, pro Jahr 35 000 Euro als eine Art "Mitgliedsbeitrag" an Fuentes zahlten. Pro Renntag wurden weitere Zahlungen fällig.

Ullrich und sein Manager Wolfgang Strohband hüllen sich seit zwei Wochen in Schweigen und waren auch am Freitag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erreichen. Der letzte Eintrag auf Ullrichs Homepage ist über eine Woche alt.

Bereits Mitte der Woche hatte der Disziplinarchef des Schweizer Sportverbandes, Prof. Gerhard Walter, die Auffassung vertreten, dass Ullrich in Kürze mit einem Verfahren und einer Sperre durch den eidgenössischen Radsportverband wegen des Verdachts auf Blutdoping rechnen müsse. Der 32-jährige Deutsche fährt wegen seines Wohnsitzes Scherzingen mit Schweizer Lizenz.

© SID

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