Radsport Doping
Olympia-Arzt Huber gesteht zehn Jahre Doping

Professor Georg Huber, ehemaliger deutscher Olympia-Arzt, hat gestanden, zwischen 1980 und 1990 Nachwuchsleute mit Doping versorgt zu haben. Zuvor hatte ihn bereits der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) suspendiert.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat sich von Verbandsarzt Professor Georg Huber getrennt. Zuvor hatte ihn ein ehemaliger Aktiver mit seiner Dopingbeichte belastet. "Im Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen gegen Dr. Huber und Bundestrainer Peter Weibel haben wir entschieden, auch im Interesse der Glaubwürdigkeit des Radsports und seines Anti-Dopingkampfes den Sportmediziner Dr. Huber von der Tätigkeit als Verbandsarzt zur suspendieren", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme von BDR-Präsident Rudolf Scharping nach einer außerordentlichen Präsidiumssitzung am Samstag.

Huber gesteht umgehend

Der langjährige Olympia-Arzt gestand daraufhin am Samstag, einzelnen Nachwuchsfahrern zwischen 1980 und 1990 das leistungssteigernde Hormon Testosteron verabreicht zu haben. Huber habe nach eigenen Angaben so gehandelt, "um Schlimmeres zu verhüten". Das teilte die Universitätsklinik Freiburg mit, die den 64-Jährigen daraufhin sofort suspendierte.

Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) trennte sich mit sofortiger Wirkung von Huber. Der Internist, der sich seit 1986 als Anti-Doping-Beauftragter des Behindertensportverbandes und seit vier Jahren in der Nada engagierte, hatte noch am Donnerstag in einem langen Gespräch mit der Nada jede Beteiligung an Doping von sich gewiesen.

Huber und auch Bundestrainer Peter Weibel wurden zuvor in einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung (Samstag-Ausgabe) von den ehemaligen Aktiven Jörg Müller und Christian Henn im Zusammenhang mit der Verabreichung von unerlaubten Substanzen schwer belastet. Müller hatte gegenüber der Zeitung die Einnahme des anabolen Steroids Andriol während der Tour de L´Avenir 1987 zugegeben.

Huber betreute seit 1972 bei zwölf Olympischen Spielen deutsche Sportler und war ab 1980 für die Ausstattung der deutschen Olympia-Apotheken zuständig. Seit 1986 engagierte er sich als Anti-Doping-Beauftragter des Behindertensportverbandes und seit vier Jahren in der Nationalen Anti-Dopingagentur (Nada). Straßenfahrer des BDR hatte Huber seit 1972 unter seinen Fittichen. Seit 1988 war er zudem Verbandsarzt des Behindertensportverbandes und seit 1996 veranwortlicher Verbandsarzt des deutschen Skiverbandes für den Bereich Leistungsdiagnostik. Von 1998 bis 2004 war er außerdem betreuender Arzt bei den Paralympics. 2005 wurde er als Sportarzt des Jahres ausgezeichnet.

Gespräch mit Weibel nach Pfingsten

Wie Scharping weiter erklärte, habe man Weibel "für Dienstag nach Pfingsten zu einem Gespräch einbestellt. Wir werden mit ihm die Situation erörtern und im Lichte dieser Erörterung dann auch weitere Konsequenzen entscheiden". Zudem werden zwischen dem 31. Mai und dem 2. Juni Anhörungen und Gespräche durchgeführt - "auch mit den Veranstaltern und den Teams, mit denen wir an den Runden Tischen im Juli und August des letzten Jahres gemeinsame Maßnahmen besprochen hatten".

Aufgrund noch ausstehender Stellungnahmen von Trainern, Betreuern und Sportlern aus den Nationalmannschaften "in der Dopingfrage" sei laut Scharping auch noch keine Entscheidung "über die Nominierung eines dopinggeständigen Fahrers gefallen". Dies betrifft zunächst Erik Zabel. Der Sprinterkönig vom Milram-Rennstall hatte am Donnerstag als erster aktiver Profi EPO-Doping zugegeben.

Auf der Präsidiumssitzung wurde ferner die Einrichtung einer "unabhängigen Kommission" beschlossen. "Anerkannte Fachleute" sollen in dieser neuen Kommission laut Scharping die "Vergangenheit aufarbeiten, unser Anti-Dopingprogramm überprüfen und, falls erforderlich, Empfehlungen für die Weiterentwicklung dieses Programms machen".

So werde Professor Dr. Fritz Sörgel vom Institut für medizinische und pharmazeutische Forschung in Nürnberg ein Mitglied sein. Scharping: "Er war der Sachverständige der Staatsanwaltschaft im Falle des Leichtathleten Dieter Baumann."

Neben der Einrichtung eines Anti-Doping-Fonds, in den "erhebliche Mittel" fließen, werde man "die Zahl - vor allem aber die Qualität der Trainingskontrollen - viel genauer und besser ... machen". Wie schon 2006 strebt der BDR auch 2007 eine Verdopplung der Kontrollen auf EPO und Wachstumshormone an.

© SID

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