Radsport Doping
Radprofi will Grundsatzurteil zum Thema Doping

Am Dienstag wird vor einem Gericht in Belgien die Grundsatzfrage verhandelt, ob Dopingkontrollen im Sport rechtens sind und ob Doping-Tests gegen die Persönlichkeitsrechte von Athleten verstoßen.

Novum im internationalen Sportrecht: Erstmals wird am Dienstag vor einem Gericht die Grundsatzfrage verhandelt, ob Dopingkontrollen im Sport rechtens sind und ob Doping-Tests gegen die Persönlichkeitsrechte von Athleten verstoßen. Kläger ist der vom Astana-Team entlassene kasachische Radprofi Andrei Kascheschkin. Die Verhandlung findet an dessen Wohnort in Lüttich statt.

Urteil in erster Instanz

Szenarien, wonach bei einem Urteil zu Gunsten des Anfang August positiv getesteten Kasachen das gesamte internationale Kontrollsystem in sich zusammenbricht, will Sportrechtler Michael Lehner im Gespräch mit dem sid nicht bestätigen: "Nach einem erstinstanzlichen Urteil muss diese Tragweite niemand befürchten."

Der Anwalt geht von einem "langen juristischen Weg" von Lüttich über den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) bis hin zum Europäischen Gerichtshof (Eugh) aus. Es könne keine Rede davon sein, dass ein erstinstanzliches Urteil sofort zum großen Befreiungsschlag zum Beispiel auch für Jan Ullrich werden könne, gegen den derzeit das Bundeskriminalamt ermittelt.

Verstoß gegen Persönlichkeits- und Menschenrechte?

"Doch immerhin ist dieser Prozess ein deutliches Indiz dafür, dass die Verbände und die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada vorsichtig mit Forderungen nach Doping-Kontrollen rund um die Uhr sein müssen", erklärte Lehner: "Wenn den Athleten solche Fußfesseln angelegt werden und die Sportler immer und überall für Kontrollen zur Verfügung stehen müssen, dann verstößt das meines Erachtens gegen Persönlichkeits- und Menschenrechte."

Kakeschkin war bei einer Trainingskontrolle nach der Tour de France in seinem Urlaub in der Türkei des Blutdopings überführt worden. Die nun drohende Sperre von zwei Jahren will er nicht akzeptieren und stattdessen die Rechtmäßigkeit von Dopingtests grundsätzlich klären lassen. Anwalt des Radprofis ist Luc Misson, der einst den belgischen Fußballer Jean-Marc Bosman vertrat.

© SID

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