Radsport Doping
Sinkewitz: "Ich war an allem Schuld"

Patrik Sinkewitz übt sich nach deinem Doping-Geständnis in Selbstmitleid. "Ich war zum richtigen Zeitpunkt der richtige Fahrer, auf dem man alles abladen konnte, ich war an allem Schuld", sagte der Radprofi.

Patrik Sinkewitz hat zugegeben, dass Manipulation mit leistungssteigernden Mitteln im Radsport auf der Tagesordnung stand. Nach seinem Geständnis, mit Testosteron gedopt zu haben, übt sich der ehemalige T-Mobile-Profi zudem in Selbstmitleid. In einem Interview des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zum Thema Dopingpraktiken aus jüngerer Vergangheit und damit heute noch strafrechtlich zu verfolgenden Drogendelikten geht Sinkewitz erstmals selbst öffentlich ins Detail.

"Ich war zum richtigen Zeitpunkt der richtige Fahrer, auf dem man alles abladen konnte, ich war an allem Schuld. Es gab viele Leute, die meinen Fall auch genutzt haben, um sich in der Öffentlichkeit darzustellen", sagte Sinkewitz. Vorher habe es Leute gegeben, die ihn unterstützten. "Jetzt könnte ich Hilfe brauchen, aber da ist keiner mehr", sagte Sinkewitz, der bei der vergangenen Tour de France nach Bekanntgabe eines positiven Resultats als "Zeuge der Anklage" die Seiten gewechselt hatte.

Erstes Doping im Jahr 2003

Keinen Zweifel lässt der Fuldaer allerdings an der Tatsache, dass in Sachen Doping die Initiave von ihm ausgegangen ist. Angefangen habe er 2003 nach seinem Wechsel zum belgischen Topteam Quick Step. "Damals war es EPO, das einen vorwärts brachte", sagte Sinkewitz, der nach eigenen Angaben später im T-Mobile-Team mit Hilfe der Freiburger Sportmedizinier Lothar Heinrich und Andreas Schmid zu Eigenblutdoping übergegangen sei.

"Ich habe im November 2005 bei unserem ersten Treffen konkret danach gefragt. Mir wurde gesagt, es sei möglich", sagte Sinkewitz, der die einstigen T-Mobile-Teamärzte nicht als Hauptschuldige sieht: "Mein Eindruck war, dass die Freiburger es ungern gemacht haben, sehr ungern sogar. Sie wollten wohl verhindern, dass sich die Fahrer selbst jemanden suchen und dann etwas schiefgeht."

Riskant sei die Blutdopingmethode nach Jan Ullrichs Suspendierung im Zusammenhang mit der Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes vor der Tour 2006 geworden. Trotz des Wirbels um seinen entlassenen T-Mobile-Kapitän Ullrich, der bis heute sämtliche Dopingvorwürfe zurückweist, ließ sich Sinekwitz damals aber noch Eigenblut reinfundieren.

"Das Blut floss nicht nach"

"Die Ärzte wollten das eigentlich nicht mehr machen, aber ich habe gesagt, das Blut liegt da, jetzt können wir es auch reinmachen. Was soll da passieren. Es war ohnehin klar, dass es nach der Tour vorbei sein würde," sagte der Deutschland-Toursieger von 2004. Letztmals habe er im Juli 2006 nach der ersten Etappe der Tour in Freiburg zwei Blutbeutel zugeführt bekommen, dabei aber Probleme gehabt: "Die waren beide nicht in Ordnung, das Blut floss einfach nicht nach."

Letztlich zum Verhängnis wurde ihm der Gebrauch von Testosteron, auf das er am 8. Juni 2007 bei einer Trainingskontrolle getestet wurde, ehe der Fall bei der Tour bekanntgegeben wurde. "Ich hatte zwei oder drei kleine Beutel eines Testosteron-Gels in meinem Portemonnaie stecken. Einen Beutel habe ich mir am Abend des 7. Juni auf den Oberarm geschmiert, vorm Einschlafen. Ich bin davon ausgegangen, dass die Menge zu gering sei, um nachweisbar zu sein", äußert sich der 27-Jährige.

Der Henninger-Turm-Sieger hatte in der vergangenen Woche vor dem Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) umfangreicher als erwartet ausgesagt und dabei auch sein früheres T-Mobile Team belastet. Aufgrund seiner Aussagen hatte sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, da die kriminelle Dopingmittel-Beschaffung nach Sinkewitz' Behauptungen länger als bislang erwartet betrieben worden und deshalb noch nicht verjährt sein soll.

Sinkewitz will weiter Rennen fahren

Beamte des Bundeskriminalamtes hatten die medizinische Abteilung der Freiburger Uniklinik sowie die Wohnungen von Heinrich und Schmid untersucht, die von der Klinik wegen Dopings in den neunziger Jahren entlassen worden waren. Sinkewitz verspricht sich von seiner Rolle als Kronzeuge eine Strafmilderung. Der deutsche Vizemeister will auch in Zukunft Rennen fahren: "Ich kann gar nicht anders."

© SID

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