Radsport Doping
Sinkewitz positiv auf Testosteron getestet

T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz ist bei einer Trainingskontrolle am 8. Juni positiv auf Testosteron getestet worden. Das gab der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) am Mittwoch bekannt. Der BDR war am Mittwoch von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) über den erhöhten Testosteron-Wert im Körper des 26-Jährigen informiert worden. Sinkewitz muss nun innerhalb von fünf Tagen erklären, ob er die Öffnung einer B-Probe beantragen will oder nicht.

T-Mobile macht weiter

Man werde die Mannschaft auf keinen Fall aus der Tour nehmen, sagte der Kommunikationsdirektor des Telekom-Konzerns, Christian Frommert: "Ein solcher Schnellschuss kommt nicht in Frage, so frustrierend das alles auch ist. Wir werden nach Ende der Rundfahrt analysieren, wie die Zukunft aussieht."

Nur zwei Stunden zuvor hatte der BDR gemeldet, dass Sinkewitz bei einer Trainingskontrolle der Nada am 8. Juni in den Pyrenäen positiv auf Testosteron getestet worden war. Die im Kölner IOC-Labor vorgenommene Analyse der A-Probe überschritt mit einem Wert von 24:1 das erlaubte Limit von 4:1 deutlich.

Sinkewitz wurde sofort suspendiert. Sollte die B-Probe wie erwartet das Ergebnis bestätigen, würde der Fuldaer laut Frommert sofort entlassen: "Das einzig Gute an diesem Tiefschlag ist die Erkenntnis, dass die Kontrollen immer besser greifen." Man werde sich vom Kurs der Erneuerung nicht abbringen lassen.

Der 26-jährige Sinkewitz wäre der Erste, der als des Dopings überführter Radprofi neben der zu erwartenden Zweijahres-Sperre ein Jahresgehalt als zusätzliche Strafe zahlen müsste. Er hatte wie alle Tour-Starter die Ethik-Verpflichtung des Weltverbandes UCI unterschrieben. Sein Jahressalär wird auf 500 000 Euro geschätzt.

"Das kann nicht sein"

Den Fuldaer erreichte die Nachricht vom positiven Befund im Unfall-Krankenhaus Bergedorf bei Hamburg. "Das kann nicht sein", sagte er kurz vor seiner Kiefer-Operation. Die Verletzungen hatte er sich am Sonntag nach Schluss der 8. Tour-Etappe zugezogen, als er auf der Abfahrt mit einem Zuschauer zusammengestoßen war.

Sinkewitz ist kein unbeschriebenes Blatt. Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass er vom italienischen "Dottore Epo" Michele Ferrari betreut wurde. Erst auf massiven Druck des Bonner Teams, das ihn Anfang 2006 von Quick-Step geholt hatte, brach er die Verbindung ab.

Zum damaligen "Ferrari-Trio" T-Mobiles zählten auch der Australier Michael Rogers und der Italiener Eddy Mazzoleni (ab 2007 bei Astana), der soeben wegen neuer Dopinganschuldigungen seine Karriere beendet hat.

Als die Nada-Kontrolleure am 8. Juni Sinkewitz unangemeldet zur Kontrolle baten, testete er gerade mit vier weiteren Mitgliedern des Tour-Kaders die wichtigsten Pyrenäen-Passagen der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Das Ergebnis der A-Probe ging am Montag bei der Nada ein, die umgehend per Einschreiben den BDR informierte.

T-Mobile-Sportdirektor Rolf Aldag informierte das Tour-Team kurz vor dem Start zur Mittwoch-Etappe. "Es herrschte betroffenes Schweigen", sagte er. In den kommenden Tagen erwarte man nun "viel Häme aus dem Feld". Linus Gerdemann, Sieger der ersten Alpenetappe, reagierte empört: "Sinkewitz gefährdet den Fortbestand unseres Teams, für so etwas habe ich keinerlei Verständnis." Der Österreicher Bernhard Eisele sprach von "einem schlimmen Schlag für uns alle".

Der Schweizer Ex-Profi Tony Rominger, der neben Sinkewitz auch den ebenfalls kürzlich positiv getesteten Nürnberger Matthias Kessler (Astana) als Manager betreut, zeigte sich erschüttert: "Das ist blanker Wahnsinn, ich verstehe die Fahrer nicht." Bei Kessler hatte der Testosteron-Wert sogar 85:1 betragen.

Doping in diesem Fall ist relativ leicht über den Quotienten von Testosteron/Epitestosteron im Körper nachzuweisen. "Ein TE-Wert über 15 bis 20 ist nach bisherigen Studien endogen nicht möglich", sagte Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln, dem sid. Das heißt, dass der Körper diesen Wert nicht natürlich produzieren kann.

Extrem hohe Resultate seien in der Regel laut Schänzer zu registrieren, wenn die Substanz kurz vor der Probe zugeführt worden war. Es lägen keine Daten vor, dass Nahrungsergänzungsmittel derart hohe Testosteron-Werte aufweisen würden.

Auch Landis mit Testosteron gedopt

Die Substanz mit der chemischen Summenformel C19 H28 O2 ist seit 1984 verboten und gehört zu den anabolen Steroiden, den muskelaufbauenden Stoffen. Sie soll zudem die Regeneration verbessern und aggressiv machen. Der Amerikaner Floyd Landis war bei seinem Toursieg 2006 auch mit Testosteron gedopt.

Sinkewitz hatte erstmals 2004 als Sieger der Deutschlandtour Schlagzeilen gemacht. In diesem Jahr gewann er am 1. Mai "Rund um den Henninger Turm" und wurde eine Woche vor Tourbeginn deutscher Vizemeister auf der Straße.

Noch am Mittwochmorgen hatte er sich auf seiner Homepage aus dem Krankenhaus mit der Nachricht gemeldet, er sei vor der Operation guter Dinge: "Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist." Prof. Dr. Walter Schmidt von der Uni Bayreuth, der seit Anfang 2007 die internen Bonner Kontrollen für alle T-Mobile-Profis leitet, wies einen "Fehler im System" zurück: "Dabei wird nicht auf Testosteron getestet. Es geht bei uns um Blut-Manipulation. Einen anderen Anspruch haben wir nie erhoben. Der Test auf Substanzen wie Testosteron obliegt den Anti-Doping-Organisationen."

Franke: "Da hat man sich wohl geschnitten"

Der Heidelberger Doping-Experte Werner Franke zeigte sich bei n-tv nicht überrascht von der positiven A-Probe bei Sinkewitz: "Es wird jetzt mit Methoden gedopt, von denen man annimmt, sie könnten bei Kontrollen nicht entdeckt werden. Da hat man sich aber wohl geschnitten." Die Deutschen seien ein besonders scheinheiliges Volk, meinte Franke: "Weil sie meinen, sie kontrollieren sich zu Tode. Für andere Disziplinen ist ja bekannt, dass dies keinesfalls so ist.

© SID

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