Radsport Doping
Spanische Justiz stellt "Operacion Puerto" ein

Das Verfahren "Operacion Puerto" im Zuge der spanischen Dopingaffäre ist eingestellt worden. "Es wurde Doping praktiziert, aber nicht gegen das Gesundheitsgesetz verstoßen", begründete Richter Serrano die Entscheidung.

In der spanischen Dopingaffäre ist das Verfahren "Operacion Puerto" am Montag eingestellt worden. Dies erklärte der zuständige Untersuchungsrichter Antonio Serrano in Madrid und bestätigte damit Vorabmeldungen mehrerer Medien vom Wochenende. "Es wurde Doping praktiziert, aber es wurde nicht gegen das damals gültige Gesundheitsgesetz verstoßen", sagte Serrano in seiner 21 Seiten umfassenden Begründung.

In die Jagd auf die 51 verdächtigten Fahrer hat sich auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) eingeschaltet. Man werde die Behörden zur "zeitnahen Freigabe der Beweismittel" auffordern, ein entsprechender Antrag sei in Vorbereitung, sagte der Vorsitzende der Juristischen Kommission und IOC-Vize Thomas Bach dem sid. Auf dem Prüfstand stehe die enge Zusammenarbeit zwischen Sport und Staat im Kampf gegen das Doping.

IOC und UCI wollen Unterlagen verwerten

Das IOC unterstützt damit die Bemühungen des Rad-Weltverbandes UCI auf Überlassung der Unterlagen, um Sportgerichtsverfahren einleiten oder wieder aufnehmen zu können. Spaniens Sportminister Jaime Lissavetzky hatte die Bereitschaft dazu bereits gegenüber UCI-Chef Pat Mcquaid signalisiert. Gegen die Einstellung können die Staatsanwaltschaft und der nationale Radsportverband allerdings noch Einspruch einlegen.

Die "Operacion Puerto" war im Mai 2006 angelaufen. Ermittelt wurde gegen ein Netzwerk um den Arzt Eufemiano Fuentes und vier weitere Personen. "Sie konnten agieren, weil im Sport der Profit im Vordergrund steht und moralische Werte wie Fairplay verloren gingen", führte Serrano aus. Die damaligen Paragrafen hätten aber eine "aktive Unterstützung von Doping" nicht unter Strafe gestellt, dies sieht erst das Ende Februar in Kraft getretene neue Gesetz vor.

Laut dem Untersuchungrichter habe es bei den durch Fuentes praktizierten Eigenblut-Transfusionen auch kein erhöhtes Risiko gegeben, da diese durch medizinische Experten vorgenommen wurden. "Deshalb handelte es sich nicht um kriminelle Vergehen", heißt es im Abschlussbericht.

51 Radprofis unter Verdacht

Im Verlauf der Ermittlungen waren 51 Radprofis unter Verdacht geraten, darunter auch die Deutschen Jan Ullrich und Jörg Jaksche sowie der Italiener Ivan Basso. Alle bestreiten bis heute jede Verbindung zu Fuentes. Sie hätten ohnehin nur als Zeugen vorgeladen werden können, weil gedopte Athleten auch laut dem neuen Gesetz in Spanien weiter nur der Sportgerichtsbarkeit unterliegen.

Ullrich und Basso waren wegen erdrückender Indizien am Vortag des Tourstarts 2006 von ihren Teams aus dem Kader genommen worden. Gegen den Rostocker ermittelt der Schweizer Verband. Der Freispruch Bassos in Italien basierte vor allem darauf, dass bisher die spanischen Dokumente nicht verwertet werden durften. Unabhängig davon hat auch die Bonner Staatsanwaltschaft gegen Ullrich eine Untersuchung eingeleitet.

Mit einer Schweigeminute haben die Teilnehmer an der Fernfahrt Paris-Nizza am Start der ersten Etappe gegen die Einstellung der "Operacion Puerto" protestiert. Die Behörden würden aufgefordert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Dopinganschuldigungen aufzuklären, hieß es in einer Erklärung der Profiteams.

© SID

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