Radsport Doping
T-Mobile-Fahrer Bernucci mit positiver A-Probe

Das T-Mobile Team hat sich mit sofortiger Wirkung von Radprofi Lorenzo Bernucci getrennt. Die A-Probe des Italieners bei der Deutschland Tour war positiv auf den Wirkstoff Sibutramin.

Weiterer Dopingfall beim T-Mobile Team: Rund zwei Monate nach dem Eklat um Patrik Sinkewitz bei der Tour de France gab der Bonner Profi-Radrennstall auf seiner Internetseite die sofortige Trennung von Lorenzo Bernucci bekannt. Bei Bernucci war in einer A-Probe das verbotene Mittel Sibutramin festgestellt worden. Das Resultat dieses Dopingtests resultiert aus einer Kontrolle vom 15. August während der Deutschland Tour.

Bernucci wurde nach einer Krisensitzung am späten Montagabend mit sofortiger Wirkung entlassen, doch das Team hält weiterhin am Radsport fest. "Ein Ausstieg ist kein Thema. Dieser Fall liegt anders", sagte T-Mobile-Pressechef Christian Frommert dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Anfang November hatte die Firmenleitung die Fortsetzung des Radsport-Engagements beschlossen und die Sinkewitz-Angelegenheit als "letzte Warnung" bezeichnet. Ein Woche später gab auch der Sponsor adidas "Grünes Licht" für eine weitere Unterstützung, da der T-Mobile-Kampf gegen Doping als vorbildlich eingestuft wurde.

Verwendung des Appetitzüglers Evicta

Bernucci, der von dem positiven Testergebnis am Montag bei der Spanien-Rundfahrt erfuhr, hat die Verwendung des Appetitzüglers Ectiva sofort zugegeben. In diesem Medikament ist der Wirkstoff Sibutramin enthalten, der seit einem Jahr auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) steht.

"Bei Bernucci handelt es sich um einen Fall von grober Fahrlässigkeit und Dummheit. Wir begrüßen die schnelle und harte Handlunsgweise der Mannschaftsleitung", sagte Frommert. Bernucci hatte eingeräumt, das Mittel bereits seit vier Jahren regelmäßig zu verwenden. Der 27-Jährige steht seit 2006 bei T-Mobile unter Vertrag.

Für die Konzernleitung gehört Bernucci offensichtlich nicht in die klassische Kategorie eines Dopingsünders, weshalb die nach dem Sinkewitz-Skandal angekündigten Konsequenzen bei weiteren Doping-Vorkommnisssen nicht in Betracht zu ziehen seien. "Man muss die Dinge einzeln betrachten. Ich glaube nicht, dass ein Appetitzügler vergleichbar mit Sinkewitz" Dopingbefund ist. Man muss differenzieren. Nicht jeder Fall ist gleich", sagte Frommert.

Eine neuerliche Krise bei der Mannschaft sei nicht zu erwarten. "Dieser Fall ist nicht das Ende des T-Mobile Teams", sagte der Leiter der Sportkommunikation.

Sinkewitz war am 8. Juni bei einer Kontrolle während des Trainings in den Pyrenäen positiv auf Testosteron getestet worden. Das Ergebnis wurde am 18. Juli bekannt, einen Tag, nachdem er wegen eines schweren Unfalls bei der Tour de France ausgeschieden war. Schon drei Wochen vor der Tour war der Ukrainer Sergej Gontschar wegen "auffälliger Blutwerte" bei T-Mobile entlassen worden.

Klarer Verstoß gegen den Verhaltenskodex

Der in Monte Carlo lebende Bernucci hatte seine Arznei aus einer Apotheke in Italien bezogen. Dass sich der darin enthaltene verbotene Wirkstoff befindet, war ihm nach eigenen Angaben nicht bekannt.

"Wir wissen nicht, ob dies ein Versuch war, die Leistung zu steigern oder eine fehlerhafte Einschätzung Bernuccis. Wir wissen aber, dass es inakzeptabel ist, dass Fahrer Medikamente ohne Erlaubnis des Teamarztes einnehmen. Das ist ein klarer Verstoß gegen unseren Verhaltenskodex, und auf dieser Basis handeln wir nun", erläuterte Team-Manager Bob Stapleton auf der Homepage der Mannschaft den Entlassungsgrund.

Die "Affäre Bernucci" wird jetzt vom nationalen Radsportverband Monacos untersucht, da er mit monegassischer Lizenz fährt. In dem Fürstenturm an der Cote d'Azur wird auch über weitere Sanktionen beraten. Ihm droht nach den Regeln des Radsport-Weltverbandes UCI bei der zum ersten Mal nachgewiesenen Einnahme von Sibutramin aus nicht leistungssteigernden Motiven ein Strafmaß in Höhe einer Verwarnung bis zu einer einjährigen Sperre.

© SID

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