Radsport Doping
UCI droht neuer Fall Valverde

Nachdem der UCI das Verfahren um Alberto Contador an den spanischen Verband weitergeleitet hat, droht ein neuer Fall Valverde. Denn in seiner Heimat erfährt Contador Rückendeckung.

Dopingsünder Alberto Contador ist am Boden zerstört, doch der spanische Radsport-Boss macht seinem gefallenen Star Hoffnung auf ein Happy End. "Ich hoffe, dass sich der Fall zugunsten von Contador entscheidet. Ich kenne ihn seit seiner Kindheit. Er stammt aus Madrid, und ich habe gewisse Sympathien für ihn", sagte Carlos Castano im staatlichen RNE und ließ trotz positiver A- und B-Probe jegliche kritische Distanz zum Toursieger vermissen.

Nachdem der Weltverband UCI die Angelegenheit am Montag an den spanischen Verband Rfec weitergeleitet hat, droht dem Sport offenbar ein neuer Fall Alejandro Valverde. Contadors Landsmann war durch einen DNA-Abgleichs während der Tour 2008 nachgewiesen worden, dass er Blutbeutel bei Dopingarzt Eufemiano Fuentes gelagert hatte. Der spanische Verband leitete jedoch kein Verfahren ein, sodass Valverde erst zwei Jahre und zahlreiche Siege später vom Internationalen Sportgerichtshof CAS aus dem Verkehr gezogen wurde.

Castano macht Hoffnung auf Lösung des Falles

Castanos Aussagen lassen nun einen ähnlichen Verlauf vermuten. "Es kann alles passieren. Es kann sein, dass das Verfahren eingestellt wird oder dass es bei einer simplen Abmahnung bleibt", sagte der Funktionär. Es könne aber auch eine Sperre von maximal zwei Jahren ausgesprochen werden. Contador war am zweiten Ruhetag der Tour positiv auf Clenbuterol getestet worden.

Der Verband hat unterdessen die Unterlagen an das Wettkampfkomitee weitergeleitet, das sich nun mit dem Fall befassen wird. "Das sind vier Personen, die unabhängig vom Radsport sind. Das Gremium hat am Mittwoch eine Sitzung, dann sehen wir weiter", sagte Castano, der eine Sonderbehandlung seines Freundes ausschloss: "Die Regeln gelten für alle. Wenn Alberto einen Fehler gemacht hat, muss er dafür die Verantwortung übernehmen."

Betrachtet man jedoch, wie halbherzig die Spanier in der Vergangenheit mit ihren Dopingsündern umgingen, wäre eine lange Sperre für den dreimaligen Toursieger fast schon erstaunlich. Immerhin macht Castano Hoffnung auf ein baldiges Ende des Falles: "Wenn wir ein Verfahren eröffnen, kann der Athlet seine Argumente vortragen. Für einen Fall wie diesen haben wir maximal drei Monate Zeit."

Start bei der kommenden Tour nicht ausgeschlossen

Verweigern die Spanier erneut die Einleitung eines Verfahrens, können UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada wie im Fall Valverde vor den CAS ziehen. Bis dieser eine Entscheidung fällt, dürfte Contador vermutlich munter weiter in die Pedale treten. Ein Start bei der kommenden Tour ist keinefalls ausgeschlossen.

Glaubt man Castano, muss sich Contador erstmal wieder mental aufrappeln. "Er war niedergeschlagen. Das ist aber normal bei einer solchen Geschichte", sagte er nach einem Treffen mit dem Toursieger: "Ich würde mir wünschen, dass der Fall gut ausgeht. Aber nun muss sich das Wettkampfkomitee der Sache annehmen und eine faire Entscheidung treffen."

Allerdings kritisierte der Rfec-Präsident vorsorglich schon einmal die geringe Bearbeitungszeit. Man habe von der UCI sechs E-Mails mit umfangreichen Dokumenten erhalten. Man werde es in diesem Zeitraum nicht schaffen, alle Akten zu lesen. Die Dokumentation sei einfach zu umfangreich.

Aberkennung des dritten Tour-Sieges droht

Sollte Contador gesperrt werden, dürfte ihm sein dritter Toursieg aberkannt und dem Luxemburger Andy Schleck zugesprochen werden. Es wäre das zweite Mal nach Floyd Landis 2006, dass die Siegerliste des größten Radrennens der Welt wegen eines Dopingfalls korrigiert werden muss.

Schleck hatte Contador kürzlich überraschend den Rücken gestärkt. "Ich glaube nicht, dass er etwas gemacht hat, aber ich entscheide das nicht", sagte der 25-Jährige. Er könne nur sagen, dass er auf Contadors Unschuld hoffe und ihm glaube. Einen nachträglichen Toursieg will er nicht annehmen: "Ich bin nicht im Gelben Trikot nach Paris gefahren. Ich bin immer noch Zweiter."

Auch sein künftiger Teamchef Bjarne Riis geht davon aus, dass Contador nicht bestraft wird. Ich glaube, dass Contador entlastet wird", sagte der Toursieger von 1996 der Zeitung Politiken. Er sei überzeugt, dass Contador ein sauberer Fahrer sei.

© SID

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