Radsport Doping
Ullrich blüht "lebenslange Sperre"

Eine Bestätigung des bestehenden Dopingverdachts könnte für Radprofi Jan Ullrich das vorzeitige Karriereende bedeuten. "Dann blüht Ullrich eine lebenslange Sperre", sagte UCI-Präsident Pat Mcquaid.

Möglicherweise ist die Karriere des unter Dopingverdacht stehenden früheren Straßenweltmeister Jan Ullrich schon so gut wie beendet. Das erwartet jedenfalls Pat Mcquaid, der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, falls sich der Verdacht bestätigt: "Dann blüht Ullrich eine lebenslange Sperre. So wie sie der Weltantidopingcode vorsieht. Auszusprechen wäre sie in erster Instanz vom Schweizer Verband, zu bestätigen im Berufungsfall vom Weltschiedsgericht für Sport, CAS", sagte der UCI-Chef in einem Interview der Welt am Sonntag.

Angesichts der Dopingschlagzeilen der vergangenen Wochen beobachtet Mcquaid die am Samstag in Malaga gestartete Spanien-Rundfahrt mit gemischten Gefühlen, hofft aber, dass seinem Verband ein neuer Dopingskandal erspart bleibt. Dass solch dreiwöchige Rundfahrten auch ohne Dopinghilfe zu bewältigen sind, glaubt der Ire allemal. "Man kann die Tour auch mit Brot und Wasser fahren. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen. Man sollte über einen zusätzlichen Ruhetag oder über kürzere Etappen nachdenken."

Mcquaid wehrt sich gegen Wada-Kritik

Mcquaid wehrt sich gegen Kritik der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, zu wenig außerhalb der Wettkämpfe gegen das Problem zu unternehmen: "Ich sage nicht, wir könnten nicht noch mehr testen. Aber wir haben nur knapp 2,4 Mill. Euro zur Verfügung. Uns vorzuhalten, wir würden nicht genug testen, würde zudem Jan Ullrich zum Schmunzeln bringen. Er wurde zwischen Giro und Tour jede Woche einmal getestet. Jeweils negativ. Erweisen sich die Hinweise, dass Ullrich in der Zeit gedopt war, als stichhaltig, sind wir wieder um die Erkenntnis reicher: Wir haben es hier mit einem Gegner zu tun, der uns noch überlegen ist."

Kopfzerbrechen bereiten ihm die ausgeklügelten Systeme, die bei der Affäre um den spanischen Dopingarzt Eufemanio Fuentes offensichtlich wurden: "Die Details zeigen, wie hochentwickelt gedopt wurde. Wie Naturwissenschaftler haben sich die Ärzte in die Doping-Thematik vorgearbeitet. Es ist erschreckend zu sehen, wie sie ihr Wissen beständig erweitert haben. Was wir durch die Operacion Puerto erfahren haben, ist jenseits unserer Vorstellungskraft."

Doping-Netzwerke bereiten Mcquaid "Kopfschmerzen"

"Zu sehen, wie ein Netzwerk entsteht, um außerhalb des UCI-Radars Athleten in aller Ruhe beim Dopen zu helfen", bereitet Mcquaid "Kopfschmerzen". Dabei macht ihm die Fuentes-Affäre mehr Sorgen als der Dopingfall von Tour-Sieger Floyd Landis. "Die Art, wie professionell gedopt wurde, übersteigt meine Fantasie. Was wir von Fuentes wissen, weist auf ein Netzwerk hin, mit Außenstellen in Deutschland und möglicherweise in Frankreich."

Aus diesem Grund würde Mcquaid auch ein in Deutschland diskutiertes Antidopinggesetz der Bundesregierung begrüßen. "Das erhöht unser Abschreckungspotenzial. Nur staatliche Ermittlungsbehörden haben die Möglichkeit, Telefone anzuzapfen, Kameras aufzustellen, EDV-Material auszuwerten oder suspekte Menschen zu vernehmen. Die Operacion Puerto hat einige Sportler ziemlich geschockt. Sie haben gedacht, dass sie ewig unentdeckt bleiben würden."

© SID

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