Radsport Doping
Verräterische Telefonate im "Fall Ullrich"

Auf neue Details in der Doping-Affäre um Jan Ullrich macht der Spiegel in seiner nächsten Ausgabe aufmerksam. Demnach würden von Rudy Pevenage geführte Telefongespräche den deutschen Radstar schwer belasten.

Neue Einzelheiten sind aus dem Untersuchungsbericht der spanischen Ermittler im Rahmen der Doping-Affäre um Radprofi Jan Ullrich bekannt geworden. Wie der Spiegel in seiner Ausgabe vom kommenden Montag berichtet, gibt es Abhörprotokolle von Telefongesprächen zwischen Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage und Skandal-Arzt Eufemiano Fuentes, die den Kapitän des T-Mobile-Teams stark belasten. Demnach wurde der Codename "dritte Person" klar Ullrich zugeordnet und mit einer verschlüsselten Bestellung von Eigenblut-Transfusion in Verbindung gebracht.

Am 20. Mai soll Pevenage den Madrider Mediziner Fuetes angerufen und erklärt haben, er habe "mit einer dritten Person im Bus geredet. Diese dritte Person ist interessiert, mehr zu haben, auch wenn es nur die Hälfte ist." Die Ermittler sind offenbar überzeugt, dass Pevenage und Fuentes verabreden wollten, Ullrich mit einer weiteren Dosis konzentrierten Eigenbluts zu versorgen. Die Beschuldigten bestreiten dies.

"Vino, Nino, Ignacio und PCH"

Die Zuordnung des Codenamens erfolgte aufgrund eines zwei Tage zuvor dokumentierten Telefonats zwischen Pevenage und Fuentes. Am Tag von Ullrichs Zeitfahrsieg beim Giro d´Italia (18. Mai) sprach Pevenage demnach davon, dass eine "dritte Person gewonnen" habe. Ein weiteres Dokument erwähnt einen "Jan", der 2 970 Euro gezahlt hat, um mit "Vino, Nino, Ignacio und PCH" beliefert zu werden. Die Ermittler glauben, dass es sich um Tarnbegriffe für manipuliertes Blut, Wachstumshormone, ein dem Insulin ähnliches Präperat (IGF-1) und Testosterontabletten handelt.

Das T-Mobile-Team hatte einen Tag vor dem Tour-Start am Freitag vergangener Woche ein fünfseitiges Fax mit Informationen zu den spanischen Ermittlungen erhalten und Ullrich genauso wie Pevenage und Teamkollege Oscar Sevilla daraufhin suspendiert. Der Toursieger von 1997 hatte die Doping-Vorwürfe danach bestritten und sich seither nicht mehr dazu geäußert.

© SID

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