Radsport Doping
Weiter Rätselraten um Ullrichs DNA-Proben

Um die möglicherweise während der Razzia in Jan Ullrichs Haus gesammelten DNA-Proben herrscht weiter Rätselraten. Auch über die juristische Verwendung solcher Spuren besteht zwischen den Experten Uneinigkeit.

Im "Fall Jan Ullrich" nehmen die Spekulationen kein Ende. Die DNA-Spuren, die Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) bei einer spektakulären Hausdurchsuchung in Ullrichs Schweizer Villa in Scherzingen am Bodensee am vergangenen Mittwoch angeblich sichergestellt haben, sollen plötzlich nach Auskunft der örtlichen Behörde überhaupt nicht existieren. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Focus und beruft sich dabei auf den Schweizer Chefermittler Herbert Ammann vom zuständigen Bezirksamt Kreuzlingen.

Da Ullrich bei der Razzia nicht angetroffen worden sei, hätten auch keine Proben entnommen werden können, sagt Ammann weiter. Der Radsportler war zu diesem Zeitpunkt mit Ehefrau Sara in den Flitterwochen. Ammann, der die Durchsuchungen nach einem Rechtshilfeersuchen der Bonner Staatsanwaltschaft in Beisein von BKA-Beamten durchgeführt hat, bestreitet, dass in Ullrichs Haus DNA-Proben entnommenen wurden: "Das ist eine Ente". Man habe zwar einen Beschluss zur zwangsweisen Abgabe einer Speichelprobe mitgeführt, dieser sei nicht vollstreckt worden, da man den Hausherren nicht angetroffen habe.

Spekulationen um freiwillige DNA-Probe Ullrichs

Der Schweizer ließ aber offen, ob Ullrich inzwischen freiwillig eine DNA-Probe abgegeben hat. Ammann sagte dem Focus, der ehemalige Tour-de-France-Sieger sei "inzwischen erschienen und entsprechend über die Untersuchung orientiert worden". Noch am Tag der Razzia habe sich Jan Ullrich bei den Schweizer Ermittlern gemeldet. Der 32-Jährige hat in der Angelegenheit inzwischen seine Anwälte eingeschaltet.

Zurückhaltend gibt sich der Bonner Staatsanwalt Fred Apostel, der vor allem den juristischen Wert einer DNA-Probe von Ullrich hinsichtlich eines Prozesses skeptisch sieht. Dass tatsächlich DNA-Spuren entnommen wurden, bestätigt er direkt nicht.

In der Bild am Sonntag konstruiert er einen möglichen weiteren Ablauf des Falles: "Unterstellen wir mal, es wurde etwas gefunden, dann bekommt Ullrich die Chance, diese Dinge zu sehen. Gegen die Verwertung bzw. Weitergabe der Beweisstücke nach Deutschland kann Ullrich sich aber wehren. Wir bekommen das Ergebnis nur, wenn Ullrich keinen Widerspruch einlegt."

Klärung des Falles kann bis zu zwei Jahre dauern

Apostel, der demnächst die Blutproben aus dem Labor des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes erwartet, glaubt nicht an eine schnelle Klärung der Sachlage: "Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis wir Ullrichs DNA mit der Blutkonserve abgleichen können."

Im Gegensatz dazu vertritt der Heidelberger Sportrechtsexperte Michael Lehner die Auffassung, dass Jan Ullrich keine juristische Möglichkeit hat, sich bei Ermittlungen wegen Doping-Verdachts gegen einen DNA-Vergleich zu wehren. Als Beschuldigter müsse sich der frühere T-Mobile-Radprofi "im normalen Strafverfahren gefallen lassen, dass mit Beweisstücken Untersuchungen durchgeführt werden", sagte der 51 Jahre alte Rechtsanwalt im Interview der Süddeutschen Zeitung.

Zwar sei zur Vornahme einer DNA-Analyse in Deutschland eine richterliche Anordnung erforderlich, doch das dürfte laut Lehner im "Fall Ullrich" kein Problem sein: "Denn hier hat der Richter ja auch schon einen Durchsuchungsbefehl genehmigt."

Lehner sieht kein Problem bei DNA-Abgleich

Auch für einen Vergleich mit den spanischen Blutkonserven sieht Lehner keine Probleme. "Ullrich bestreitet, dass es sein Blut ist, also liegen hier Beweisstücke unbekannter Herkunft vor. Wen müsste man da um Erlaubnis fragen? Es steht allen Behörden der Welt - und denen in Spanien und Deutschland im Besonderen - für Untersuchungen zur Verfügung", sagte Lehner.

Ebenso in der Frage, ob ein Abgleichsverfahren mit Material, das Ullrich unzweifelhaft zugeordnet werden kann, stattfinden darf, sei die Rechtslage laut Lehner eindeutig: "Da sind die Hürden nach deutschem Recht nicht so hoch." Demnach könne Ullrich den Abgleich nicht verhindern: "Als Beschuldigtem in einem Ermittlungsverfahren stehen ihm solche Rechtsmittel nicht zu", sagte der Jurist.

© SID

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