Radsport Doping
Wohnung von Jan Ullrich durchsucht

Radprofi Jan Ullrich ist weiterhin im Visier der Dopingfahnder. Am Mittwoch hat ein Ermittlungsteam des Bundeskriminalamtes (BKA) das Haus des abwesenden Radprofis in Scherzingen am Bodensee durchsucht. Das gab die Staatsanwaltschaft Bonn und das BKA am einer Pressemitteilung bekannt.

HB BONN/SCHERZINGEN. Völlig überrascht von der Durchsuchungsaktion wurde Ullrichs Manager Wolfgang Strohband, dessen Hamburger Immobilien ebenfalls durchsucht wurden. "Ich bin nicht kontaktiert worden. Ich weiß deshalb von nichts. Aber wir haben unsere Anwälte eingeschaltet. Die werden jetzt unsere nächsten Schritte prüfen", sagte Strohband aus dem Österreich-Urlaub in Bad Gastein.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Fred Apostel war die Razzia Teil eines größer angelegten Ermittlungsverfahrens im In- und Ausland gegen Personen aus der Radsportszene. Insgesamt wurden zehn Wohnungen und Firmenräume durchsucht.

Ullrich in den Flitterwochen

Ullrich wurde nicht angetroffen, weil er sich nach seiner Hochzeit in den Flitterwochen befindet. Der gebürtige Mecklenburger hatte am vergangenen Wochenende in Lech am Arlberg seine Lebensgefährtin Sara Steinhauser geheiratet. Die BKA-Aktion erfolgte nach einer Strafanzeige von Ex-Leichtathletin Britta Bannenberg, die Ullrich und seinem Umfeld Betrug gegen seinen Arbeitgeber vorwirft.

Die heutige Professorin für Strafrecht und Kriminologie in Bielefeld hatte Ullrich sowie seinen spanischen Teamkollegen Oscar Sevilla und Betreuer Rudy Pevenage angezeigt, weil "der Sport in Deutschland sauber bleiben" müsse. Die Rennfahrer hätten ihr Team betrogen und damit Vertragsbruch begangen, begründet Bannenberg, die keinen der drei Angezeigten persönlich kennt.

Daraufhin wurde "nach intensiver Prüfung des Sachverhalts" von der Bonner Staatsanwaltschaft unter dem Aktenzeichen 430 Js 936/06 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Betrug zum Nachteil des Bonner Rennstalls gegen die beschuldigten Personen eingeleitet. Aufgrund von Ermittlungen spanischer Strafverfolgungsbehörden wird jenen Personen vorgeworfen, verschiedene im Radsport verbotene leistungssteigernde Mittel angewendet zu haben.

Nach Angaben von BKA-Pressesprecher Michael Albertz soll ein Beschuldigter, womit wahrscheinlich Ullrich-Intimus Rudy Pevenage gemeint ist, "Hilfe geleistet und insbesondere Medikamente besorgt haben". Es bestehe der Verdacht, dass die beschuldigten Personen sich des Betruges schuldig gemacht haben, indem sie ihre Vertragspartner durch die Anwendung unerlaubter Dopingmethoden getäuscht zu haben.

Ergebnis der Razzia bleibt vorerst geheim

Auf diese Weise hätten die Beschuldigten laut BKA aufgrund bestehender Verträge Zahlungen erhalten, die nicht erfolgt wären, wenn die Vertragspartner Kenntnis von der Anwendung der Dopingmethoden gehabt hätten. Gegen eine Person werde außerdem wegen des Verstoßes gegen das Arzeneimittelgesetz ermittelt. Über das Ergebnis der Razzia wollte sich die BKA-Pressestelle nicht äußern, da die Ermittlungen andauern.

Ullrich und Sevilla waren am 30. Juni, einen Tag vor dem Start der Tour de France, vom T-Mobile-Team suspendiert worden, weil ihre Namen im Zusammenhang mit dem so genannten "spanischen Dopingskandal" und dem Madrider Mediziner Eufemiano Fuentes aufgetaucht waren. Die Spuren eines internationalen Dopingrings führen inzwischen auch nach Deutschland.

Ullrich, der am 20. Juli vom T-Mobile-Team entlassen wurde, bestreitet sämtliche Vorwürfe. Allerdings weigert sich der Tour-de-France-Sieger von 1997 beharrlich, sich zur eindeutigen Klärung des Falles einer DNA-Probe zu unterziehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%