Radsport Giro d´Italia
Ullrich will harten Giro zum Training nutzen

Beim härtesten Giro d´Italia seit Jahren will T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich in Form kommen für die Tour de France. Dabei hat es vor allem die letzte der drei Wochen mit vier Bergankünften in fünf Tagen in sich.

Beim Anblick der reinen Fakten könnte Jan Ullrich Angst und Bange werden - doch bange machen gilt nicht vor dem härtesten Giro d´Italia seit Jahren. Ab dem heutigen Start in der Nähe von Lüttich stehen den Radprofis 22 500 Höhenmeter, fünf Bergankünfte und Anstiege mit bis zu 24 Prozent Steigung bevor. Der T-Mobile-Kapitän will sich mit dem Mammutprogramm für in acht Wochen beginnende Frankreich-Rundfahrt "einrollen".

Während sich einige seiner Konkurrenten im Kampf um den Toursieg bereits in vielversprechender Form befinden und bei der Italien-Rundfahrt um den Sieg kämpfen, sieht sich Ullrich vor drei schweren Wochen bis zum Finale am 28. Mai in Mailand: "Ich muss weiter einen Trainingsrückstand aufholen. Für die Tour sollte das kein Problem sein, wohl aber noch für den Giro."

Ullrichs Politik der kleinen Schritte

Obwohl er bei seinem Saisoneinstieg in der Tour de Romandie vergangene Woche als 115. fast 50 Minuten hinter Gesamtsieger Cadel Evans (Australien) die "Rote Laterne" nur um 6:30 Minuten verfehlte, sieht sich Ullrich unbeirrt auf dem richtigen Weg: "Ich kann die Diskussion um meine Zeitrückstände nicht nachvollziehen. Ich habe die Romandie-Rundfahrt zum Trainieren genutzt", so der 32-Jährige, der nach der offenbar abgeklungenen Reizung im rechten Knie weiter zuversichtlich ist: "Das Knie hält und ich spüre, wie ich in kleinen Schritten vorankomme."

Viel Zeit bleibt Ullrich allerdings nicht, um sein Leistungsvermögen - vor allem im Gebirge - zu steigern. Während die ersten Giro-Etappen nach dem Auftakt-Zeitfahren am Samstag im belgischen Seraing (6,2km) zuerst in Wallonien und dann in Italien noch ohne große Schwierigkeiten verlaufen, stehen mit dem Mannschaftszeitfahren am Donnerstag und den ersten Bergetappen am folgenden Wochenende bereits drei Härteprüfungen auf dem Programm. Danach geht es Schlag auf Schlag. "Die letzte Woche ist hammerhart. Da bleibt keine Zeit, sich einmal auszuruhen", sagt Ullrichs sportlicher Leiter Rudy Pevenage.

Italiens Radstars in der Favoritenrolle

Wenn dann vier schwere Bergankünfte innerhalb von fünf Tagen (23. bis 27. Mai) anstehen, werden die favorisierten Italiener um Vorjahressieger Paolo Savoldelli (Discovery Channel), dessen Vorgänger Damiano Cunego (Lampre) und Tour-Favorit Ivan Basso (CSC) vielleicht schon um den Sieg kämpfen - Ullrich dagegen eher um das Einhalten des Zeitlimits. "Ich bin sicher, dass ich mich im Verlauf des Giro weiter verbessern kann", sagt der Toursieger von 1997, dem es nur ums Durchkommen geht.

Deutlich kämpferischer gibt man sich bei der Konkurrenz vom CSC-Team des Dänen Bjarne Riis: "Ivan ist in einer blendenden Form. Er will und kann sowohl den Giro als auch die Tour gewinnen", sagt ehemalige Telekom-Fahrer und Toursieger von 1996. Für einen vorderen Platz im Gesamtklassement kommt bei T-Mobile dagegen wohl am ehesten der Ukrainer Sergej Gontschar in Frage. Der ehemalige Zeitfahr-Weltmeister belegte beim Giro 2004 den zweiten und im Vorjahr den sechsten Rang, bevor er zu Saisonbeginn zu den Bonnern wechselte. Aus Ullrichs vorläufigem Kernteam für die Frankreich-Rundfahrt ist zudem der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Michael Rogers aus Australien am Start.

Rebellin rechnet sich Chancen aus, Petacchi sieht sich im Nachteil

Die nationale Konkurrenz vom Team Gerolsteiner setzt vor allem auf ihren italienischen Kapitän Davide Rebellin. Der 34-Jährige will besonders in der ersten Giro-Woche seine Chance auf einen Etappensieg suchen. Schließlich geht es auf dem dritten und vierten Teilstück durch die Ardennen, wo Rebellin 2004 mit den Siegen beim Amstel Gold Race, dem Fleche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich ein historischer Hattrick gelang. "Davide hatte den Wunsch geäußert, unbedingt den Giro fahren zu wollen. Am Anfang wollen wir probieren, mit ihm an der Spitze etwas zu erreichen", sagt Gerolsteiners sportlicher Leiter Christian Henn.

Nur wenig Chancen werden sich dagegen den Sprintspezialisten bieten. "Für uns gibt es maximal fünf Etappen, auf denen wir eine realistische Siegchance haben", sagt Milram-Kapitän Alessandro Petacchi, der in den vergangenen drei Jahren nicht weniger als 19 Tageserfolge beim Giro feierte: "Ich kann die Strategie der Organisatoren nicht verstehen. Aber wahrscheinlich hat ihnen meine Siegesserie in den letzten Jahren nicht gefallen."

© SID

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